2 Millionen Touristen besuchen das 20.000 Einwohner Städtchen Queenstown pro Jahr. Wir hätten keinen besseren Ort und kein individuelleres Haus für unser Vorhaben finden können. Ein Hostel in Neuseeland – zeitlich auf wenige Monate begrenzt.  Wie der Alltag mit Reisenden wirklich aussieht und wie man Geld mit Airbnb.com verdient. Ein Erfahrungsbericht.

Von einem Pippi-Langstrumpf-Haus, selbstgepflückten Blumen in Einweckgläsern, Gedichtbänden von Chris Mama, einem chinesischen Dialekt, einem Waldorfschüler, Kopfständen und knusprigen Crêpes.

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An einem sonnigen Samstagvormittag Ende Januar zogen wir mit 10 Kisten in unser neues Zuhause in Sunshine Bay, Queenstown.

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Ein Pippi-Langstrumpf-Haus mit bunten Holzbrettern auf 2 Etagen und einer atemberaubenden Aussicht auf den Lake Wakatipu und die neuseeländischen Alpen.

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Komplett möbliert und mit drei extra Zimmern zum Vermieten.

Voller Enthusiasmus stürzten wir uns in die Arbeit. Wir hatten nur 2 Monate Zeit dieses „Schmuckstück mit Charakter“ oder mit den Worten meines Vaters „eine Bretterbude“ in ein Hostel zu verwandeln, doch die Touristen mussten uns erst einmal finden.

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Liebevoll gemalte Zettel im örtlichen Supermarkt, eine eigene Internetseite und unsere Zeitungs-Anzeigen scheiterten ausnahmslos – nur airbnb.com funktionierte.

Wer Hotels und Hostel zu unpersönlich findet, bucht sich hier ein Zimmer in einer Privatwohnung oder eine ganze Unterkunft.

Einheimische treffen und sich wie ein Einheimischer fühlen. In 34.000 Städten und 192 Ländern weltweit.

Derzeit gibt es 215 Unterkünfte in Queenstown, alle Gastgeber verdienen durchschnittlich 429 Euro monatlich.
In New York sind es 674 Euro, London 578 Euro und Berlin 268 Euro.

Wer bei airbnb erfolgreich vermieten will, muss zahlreiche Fotos bieten, die nicht nur einen Raum, sondern ein Lebensgefühl verkaufen.
Später werden die Bewertungen am wichtigsten, die jeder Gast öffentlich sichtbar verfasst.

Um das Haus mit Liebe und Leben zu füllen setzen wir auf kostengünstige Dekorationen und füllen selbstgepflückte Blumen in Einweckgläser, kleben Landkarten an die Wände und legen eine überschaubare Bibliothek mit Büchern aus dem Secondhand-Shop an.

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Minze in antiken Milchflaschen – ein Kellerfund bei Chris Großeltern.

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Hinweis-Kärtchen, Willkommens-Mappen und Menükarten, um dem Ganzen einen professionellen, aber persönlichen Touch zu verleihen.
(erspart außerdem viele Fragen)

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Die kleinen Karten mit gepressten Blüten stammen von Chris Großmutter Joan - hergestellt vor 30 Jahren in Queenstown.
Die kleinen Karten mit gepressten Blüten stammen von Chris Großmutter Joan – hergestellt vor 30 Jahren in Queenstown.

Für ein zusätzliches Taschengeld und den unwiderstehlichen Duft von Selbstgebackenem verkauften wir Kuchen, Quiche und kleine Leckerein. Ich entwickelte mich zu einem Spezialist im Muffin-Backen und einer Experten für Pflaumen-Rezepte.

Der prallgefüllte Baum im Garten war ein Segen für Marmeladen und Chutneys und ein Fluch, wenn die dunkelroten Früchte unter Schuhsohlen auf unserem hellgrauen Teppich plattgetreten wurden.

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Wir stapelten Feuerholz, füllten das Haus mit Instrumenten und verkauften Gedichtbände von Chris Mama.

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Nach 3 Wochen waren wir bereits komplett ausgebucht und erweiterten die Räumlichkeiten mit einer „Camping Deluxe Variante“ oder „Glamping“ wie man in Neuseeland sagt. Eine Budgetoption für Rucksackreisende mit Matratzen, Bettwäsche und trotzdem allen Annehmlichkeiten des Hauses.

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unsere guenstigste unterkunft das zelt jetzt zu kalt

Sarah und Tony waren unsere ersten Gäste aus Kanada. Die frisch Vermählten verbrachten 4 Tage ihrer Hochzeitsreise bei uns. Am Tag sprangen sie aus Flugzeugen, abends redeten sie in einem chinesischen Dialekt miteinander und verströmten einen herzhaften Knoblauchduft in der Küche.

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Die Beckhams der Rucksackreisenden. Immer gut gekleidet und selbst mit einer Fusselbürste ausgestattet. Sylvi und Justus campten auf der Terrasse und sind Rekordhalter im Muffin und Bierverkauf. Sylvi liebte ein warmes Haus und Justus befeuerte kontinuierlich unseren Ofen. Das einzige Mal, dass wir in unserem Haus schwitzten. Ein unglaublich symphatisches Kölner Pärchen, das eindeutig zu unseren Lieblingsgästen gehörte.

„Chris & Jenny welcomed us like friends, not like unknown guests. We highly recommend this place.“

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Bestätigtes Klischee eines Waldorfschülers – Justus selbstgeschnitzte Angelhaken. (bisher noch nie etwas gefangen)

Geordy schaffte es als 4-Jähriger in die New York Times, weil er den Buchtitel:
„I am an animal“ (Ich bin ein Tier) schmückte. 33 Jahre später steht er bei uns im Kopfstand und erzählt von seiner aufregendsten Lebensgeschichte, die mit dem Zitat: „Oh my god. I am shot. In my head“ endete.

„Beautiful town, beautiful house, beautiful people. Chris and Jenny are great people and I feel blessed to have met them. I hope someday our paths cross again.“

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Cover: „I am an animal“

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Pierre war unser erster französischer Gast. Seine Haare kräuselten sich zu einem dichten Afro zusammen. Als geborener Feinschmecker traute er der neuseeländischen Mayonnaise nicht und zeigte uns wie Crêpes schmecken müssen. Ein hauchdünner, knusprig gebackener Teig gefüllt mit Kartoffeln, Käse und Speck.  Merci Beaucoup!

„I had a really nice time at Chris and Jenny’s place during a little week. Both of them are really friendly and it was a real pleasure to have so much life going on in the living room.“

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Jamie und James aus Kalifornien fragten auch bei 30 Grad Außentemperatur und einer geräumigen Wäscheleine nach einem Trockner.
Sie buchten eine 8-stündige Tagesbusreise und wunderten sich, warum die anderen Touristen am Ende der Fahrt nicht klatschten.

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Marina, die Bäckerin aus der Schweiz konnte auch bei 10 partywütigen Gästen und einer dünnen Holzdecke problemlos schlafen.
Sie verliebte sich in ein französisches Restaurant und hinterließ uns den ersten Gästebucheintrag in Schwizerdütsch.

„Ich ha 4 super Täg bi dä Jenny am Chris. So fründlichi und liebi Lüüt han ich immer gärn um mich umä“

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Marta, eine gebürtige Ungarin aus München, reist mit dem Auto quer durch die Insel, bevor sie ihre Yogaausbildung im indonesischen Ubud beginnt.
Eines Abends flüstert mir Chris beeindruckt zu: „Marta stand auf dem Kopf“. Ja. Marta stand häufiger auf dem Kopf und verdrehte ihre Körperteile in jede Himmelsrichtung.

„Habe mich sehr wohl gefühlt bei den beiden, ganz wie Daheim. Sie haben´s mir an nichts fehlen lassen. Ich konnte Abends sehr gemütlich auf der großen Terrasse Yoga praktizieren.“

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Reisende aus 12 Ländern besuchten uns. An manchen Tagen habe ich mich wie eine Fremde in meinem eigenen Haus gefühlt. Räume zu vermieten heißt auch Menschen zu unterhalten, permanent alles sauber zu machen und immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten. Ich habe gelernt Buchungen abzusagen und Tage frei zu halten. Das ist unkompliziert bei Airbnb, der Gastgeber allein entscheidet, ob er eine Buchungsanfrage annehmen will.

Die meisten Reisenden brauchen jedoch nur ein sauberes Bett, eine heiße Dusche und schnelles Wifi.

Ich werde Neuseeland in 6 Tagen verlassen und nehme das quietschrote Gästebuch mit. Eine Sammlung verschiedenster Handschriften. Passnummern, Emailadressen und Bier-Rechnungen. Wir hatten eine unglaublich gute Zeit in Neuseeland und jeder Reisende hat unser Holzhaus mit neuen Geschichten gefüllt.

Wer sich bei airbnb registrieren möchte, um im nächsten Urlaub Geld zu sparen oder selbst zu vermieten, kann diesem Link folgen.
(dann gibts ein Startguthaben geschenkt)
http://www.airbnb.de/c/ccooke2

„It’s so beautiful – amazing views, open fire, terraces. A wonderful place to stay and I wish I could have spent more time with these awesome people.“

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„Thank you for making my stay in Queenstown so great that I didn’t want to leave. If you get the chance to stay here, you should!“

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„Jenny and Chris are wonderful people to stay with. The house has the most amazing location and you have free access to use kitchen facilities. We enjoyed our short stay here and highly recommend the place to all.“

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„Great dicussions around the fire place, the house has an amazing view &peaceful atmosphere. All the nature lovers are going to fell in love!“

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Corinne aus der Schweiz.

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volles haus mit touristen und chris schwester neben ihm

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