Die Doerfer, die wir durchqueren> Namshan, MunMai, Kyank Phyn, Voi San Sip, Ho Chang, Mon Nonk

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Angeblich ist es Touristen nicht mehr gestattet die Wanderung im burmanischen Shan-Staat durchzufuehren, von militaerischen Kaempfen in nahegelegenden Bergdoerfern ist die Rede. Niemand weiss es genau, wir beschliessen von Dorf zu Dorf  zu wandern und vor Ort die Einheimischen zu befragen, denn die wissen es meistens am besten. – Auch hier beruhigen sie uns hinter vorgehaltener Hand, und malen uns eine Landkarte fuer unsere 3taegige Wanderung. Fotos von Jenny Jakobeit und Chris Cooke

60km liegen vor uns, doch jetzt dampfen erst einmal lange, klebrige Nudeln in scharfer Cillisosse und geriebenen Erdnuessen in meiner Suppenschuessel. Das traditionelle Fruehstueck, Mittag- und Abendessen in einem.

Am Wegesrand strahlen leuchtend-pinke Blueten, die Kuh-Glocken klingen hell bei jedem ihrer traegen Schritte und alle Berge sind in saftiges Gruen gehuellt.
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In Ho Chang begruessen uns Horden von Kindern am Dorfeingang, wir stoppen in einem Kiosk und werden sofort an den Tisch gebeten und zum Tee eingeladen. Wir koennen uns mit keinem Wort verstaendigen. Die „Willst du essen Geste“ sieht eher aus wie „Musst du kotzen“. Es ist so eine Sache mit der Zeichensprache, denn in jedem Land existieren unterschiedlichste Bewegungen.
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Nach 10 Minuten wird uns ein Riesenberg weisser Reis und ein Korn-Knoblauch-Gelee serviert, das aussieht wie ein Vanillepudding. Eine sehr gewoehnungsbeduerftige Konsistenz fuer Knoblauch-Mus, doch ich stopfe fleissig soviel wie moeglich in mich hinein, um unsere Gastgeber nicht zu enttaeuschen.

Neugierig gesellt sich mit jedem Bissen ein anderer Dorfbewohner zu uns, eine wunderschoene alte Dame erklaert mir wer ihre Tochter ist, indem sie sich an die linke Brust faesst und wir muessen erklaeren, warum wir weder verheiratet sind noch Kinder vorweisen koennen.
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Niemand will Geld von uns annehmen, wir taumeln in unbeschreiblicher Glueckseeligkeit der Gastfreundschaft und nach einem letzten Reifen-Rollen mit den Kindern ins naechste Dorf.
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In Mon Nonk empfangen uns  Nonnen in ihren rosafarbenden Gewaendern und kahlrasierten Schaedeln, normalerweise ist es Touristen gestattet, im Kloster zu essen und zu uebernachten. Ein Highlight auf das ich mich die letzten 15km freute, doch wir duerfen nur am Tee schluerfen, unsere erste Klosternacht scheitert aus Krankheitsgruenden, man wolle nicht, dass wir uns anstecken, aber wir koennen bei einem Bruder schlafen, ein Nicht-Moench und somit auch ein Nicht-Kloster. Ich bin etwas enttaeuscht.

So landen wir in einem Kiosk mit 3 Holztischen, es riecht nach Benzin, alle rauchen Zigaretten durch eine Wasserpfeife und in der Ecke sorgt ein tragbarer DVD Player fuer groesste Aufmerksamkeit aller Bewohner. Alle trinken RedBull, wir sitzen zwischen Reissaecken, Ovaltine und Maggi-Nudeln und schluerfen Nudelsuppe.
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Die Toilette ist eine Blechhuette mitten im Garten, direkt neben dem Schweinestall und hinter dem Wasserhahn, der das Freilicht-Badezimmer bildet. Effizienter haette nicht einmal IKEA diesen Raum geplant.

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Wir bekommen einen grossen Holzraum ueber dem Kiosk, zwei warme Decken auf dem Boden und ein Altar, der in warmen Rottoenen leuchtet. Das ist das Schoene am Wandern, es bringt mich an Orte, die ich nicht mit einem Bus, Zug oder Auto erreichen kann. Es bringt mich zu Menschen, die wenige Touristen in ihrem Leben getroffen haben und es laesst mich an einem Tag so viele unterschiedliche Landschaften sehen.

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Am naechsten Morgen wird das ganze Dorf im Nebel liegen, um 05:00 Uhr werden die Nonnen beginnen zu singen, die Pferde werden vor der Tuer getraenkt, unsere Fruehstueckssuppe wird vom Feuerholz ihr typisch rauchiges Aroma entfalten und eine Nonne wird mir den Weg weisen. Noch 45km zu laufen.
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