Ein Dorf, in dem ab 20:00 Uhr die Lichter ausgehen und nur noch die Nonnen singen, heisser Tee gegen die naechtliche Kaelte, Butterkekse mit suesser Bohnenpaste, ein chinesischer Wecker und ich knipse dem Buddha die Lichter aus. Unser erstes Bergdorf.

Das Bergdorf Namsang ist umgeben von Teeplantagen, einem Tee der weder schwarz noch gruen ist und den jede Familie ueber ihrer Feuerstelle roestet, bis er seine dunkle Farbe erhaelt.

Es geht gemuetlich zu im 8000 Einwohnerdorf, das fast schon eine kleine Stadt ist. Es gibt Internetcafes, Restaurants, Teeshops und viel zu viele Motorraeder. Es gibt einen Huegel, der uebersaet ist mit goldglaenzenden Stupas und eine Strasse, die mitten durch den ganzen Ort verlaeuft und aus dessen Haustueren uns die Kinder schuechtern bis freudig zuwinken.


Sie muessen einen anderen Englischlehrer haben, als meine Schwestern aus dem untengelegenden Doerfchen. Hier koennen sie nur: Bye und manchmal kommt ein: See you tomorrow. Sie sind unverbraucht, nicht an Touristen gewoehnt und unheimlich herzlich. Sie fragen nicht nach Geld oder Suessigkeiten, wie in so vielen anderen Orten in Suedostasien.

In der einzigen Unterkunft der Stadt sitzen wir im gruen gestrichenden Rezeptionsbereich, das vergilbte Ziffernblatt der Wanduhr zeigt 20: 06 Uhr, um mich herrum sitzen 5 Einheimische, die ausnahmslos nach Alkohol riechen und jetzt an kostenlosem Tee schluerfen, der hier in kleinen Glaesern serviert wird. Keine Zweifel, es handelt sich um die Trunkenbolde des Dorfes.

Ich esse koestliche fettige Kekse mit einer Art Marmeladenfuellung, die hier aus suessen Bohnen besteht. Auf dem Weg zur „Toilette“, die sich aussen befindet und nicht mehr als ein Keramikloch ist, chanten im Nebenhaus gefuehlte 50 Nonnen in nicht ganz einheitlichem Ton. Mittlerweile habe ich mich so an die Meditationsgesaenge gewoehnt, das Gruppenmeditieren laeuft sogar im Fernsehen, parallel zu unserer Tagesschau-Zeit, warum nicht auch beim Toilettengang.

Es ist etwas kuehler in den Bergen, vor unserem Zimmer, 3,50Euro pro Person, blinkt ein Altar mit vielen Blumen, in unserem Zimmer gibt es zwei einzelne Holzbetten mit weinroter Blumendecke, ein kleiner Tisch mit blauer Haekeldecke, ein Dachfenster mit Glasluke, einen zerkratzten Parkettboden, seidig rote Kissenbezuege, zwei gruene Gardinen, eine Waescheleine, die quer ueber die Kopfenden gespannt ist, einen weissen und einen gruenen Waeschebuegel und eine Neonroehre, die an zwei rostigen Naegeln haengt.

Jedes Wort ist durch die duennen Waende zu verstehen, mein Herz rast von zu viel kostenlosem Tee, nur Chris schlaeft seit Stunden. Dieser neue chinesische Plastikwecker tickt so unglaublich laut und draussen leuchet der Buddha in rot – gruener Lichterkette. Es scheitern selbst Meditationsversuche, weit nach Mitternacht suche ich mir einen Stuhl und stecke dem Buddha die Lichterkette aus. Fuer einen kurzen Moment fuehle ich mich schuldig, wie jemand, der Jesus das Kreuz nimmt, aber in 4 Stunden klingelt der chinesische Wecker und wir beginnen unsere 3taegige Bergwanderung, von der bis jetzt nicht klar ist, wie gefaehrlich sie denn wirklich ist.

Advertisements