Wie wollen Sie ihr Omelett? Ruehrei, Omelett oder gebraten? wiederholt der Sohn des Besitzers im harten Akzent, ueberfreundlich und wie von einem Tonband abgespielt.

In Burma ist es verboten, Touristen und Einheimische in einer Unterkunft unterzubringen, die wenigen Hostels mit einer Touristenlizenz wissen also durchaus was westliche Touristen wuenschen. Wir zahlen fuer ein Doppelzimmer mit Bad 12 Euro, doch es fehlt ein wenig an Charakter hier.

Das Dorf Kyaikto ist dagegen das ganze Gegenteil, unberuehrt, ehrlich und erstaunt ueber neue Gesichter. Schmale Sandwege schlengeln sich durch das Dorf, ein paar Kochtoepfe, Plastikstuehle und zwei Tische machen ein Restaurant, die  Einwohner winken schuechtern und ich winke laechelnd zurueck.

Die Voegel zwitschern, Hunde und Katzen strecken sich friedlich in der Morgensonne und die Gesaenge, des  naheliegenden Klosters hallen durch die Baumwipfel.

Kyaikto liegt nahe dem Goldenen Felsen, der zu den heiligsten buddhistischen Stätten in Burma zaehlt.

Um den Goldenen Felsen zu erreichen, besteigen wir zuerst einen Truck, auf dessen Ladeflaeche ein paar Holzbaenke verschraubt sind und der erst startet, wenn alle 19 Plaetze gefuellt sind. Burmesen, ein kanadisches Vater-Sohn Gespann, zwei Englaender und ein russisches Ehepaar rutschen Seite an Seite.

Es geht immer steil bergauf, wir durchfahren atemberaubende gruene Berglandschaften und eine ueppige Vegetation, doch es ist schwierig die Landschaft zu geniessen, denn wir krallen uns an die Holzbaenke, unsere Wangen schlackern, es ruckelt und rattert, angekommen im letzten Bergdorf beginnen wir die letzte Etappe zu Fuss zurueckzulegen.

Die Jugendlichen spielen Volleyball mit den Fuessen, Frauen trocknen die Waesche, in dem sie sie auf den Boden legen und ein paar Shops verkaufen eisgekuehlte Getraenke und Knabberein in Plastiktueten.

Die  wichtigste Einnahmequelle sind jedoch die Saenften, Bambusliegen, auf der es sich der Tourist gemuetlich macht und von vier starken Burmesen den 45minuetigen Weg bergauf geschleppt wird. In einer bestimmten Technik, in dem die vier Traeger ein bisschen wie beim Rudern von einer Seite zur anderen schwingen, um den Transport so effizient wie moeglich zu gestalten.

Ein immer wiederkehrender kultureller Unterschied wird auch hier sichtbar, westliche Touristen scheuen diese Dienste, warum sich hochtragen lassen und wie ein dicker, fauler Tourist wirken, wenn man auch laufen kann? Die asiatischen Touristen allerdings lieben die Art der Befoerderung, sie sitzen in warmen Decken eingepackt, unter einem Regenschirm und schiessen Fotos mit ihrem ipad.

Wir erreichen den Goldenen Felsen, der auf Bildern spektakulaerer wirkt, als er in Wirklichkeit ist. Der Legende nach wird der Fels von zwei Haaren Buddhas im Gleichgewicht gehalten.


Aus manchen Perspektiven sieht er wirklich aus, als wuerde er gleich fallen, doch als Frau kann ich nicht jede Aussichtspunkt geniessen, auf die Plattform duerfen nur Maenner. Religion ist nicht fuer jeden gleich.


Doch die eigentliche Sehenswuerdigkeit ist nicht nur der Goldene Felsen, sondern die gesamte Atmosphäre dieses hoch gelegendenen Bergdorfes. Heute regnet es in Stroemen, wenige Touristen und Pilger sind hier und die Nebelwolken geben die Aussicht nur fuer wenige Sekunden preis. Alle laufen barfuss durch die nassen Pfuetzen, blinzeln durch ihre Regenjacken, in einem Kloster sitzten rotgekleidete Moenche und meditieren, einer singt durch ein Mikrofon und die anderen wiederholen. Wunderschoene Klaenge, wie aus einer anderen Zeit und einer Prise Dschungelbuch.  Schulkinder halten ihre aufeinandergeschichteten Stahlboxen am Henkel, die Tupperbox Asiens, indem Reis, Gemuese und Fleisch transportiert wird.

Wir tuckern zurueck, der Russe sieht mit seinem Halstuch eher aus wie ein Franzose und filmt ohne Unterbrechung die wacklige Fahrt nach unten, die Sonne geht unter, ein paar Gluehbirnen erleuchten die kleinen Imbisse, in die wir uns setzen, sagen was wir wollen und dann wird direkt nach unseren Wuenschen gekocht. Im Fernseher werden ein paar DVDS eingelegt, es wird Tee gebrueht und Tofu gebraten, die Stimmung ist familiaer. Zwei Jugendlichen sitzen jeden Abend vor ihrem Strassenshop mit einer Gitarre in der Hand, sie singen aus voller Kehle burmesische Volkslieder, sie singen von Hoffnung und Liebe. Die Kerze flackert, der gelbe Wachs tropft auf den Steinboden und ich hoffe Burma wird ihnen die  Zukunft bescheren, auf die sie heute hoffen.

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