Ein Plastiktisch und eine Herdplatte, Billige, laute Musikvideos und bauschige Nebelwolken, glitzernde Streifen und grelle Blitze, ein beschwipster Ladyboy und zwei gemachte Brueste, suesses Pad Thai und Wind of change, ein Cannabis- und ein Winnie Puuh – Aufkleber, eine Bank und 2000 Dollar. Von Phnom Penh nach Bangkok.

Der Markt direkt neben dem Busbahnhof in Phnom Penh, Kambodschas Hauptstadt, ist gefuellt mit Koestlichkeiten. Sticky Rice, fingergrosse, klebrige Reisstaebchen mit Bananenstueckchen mit perfekter Suesse, 8 Stueck fuer einen Dollar. Fruehlingsrollen gefuellt mit hartschaligen Shrimps, Chili, Oel und Erdnuss-Sosse, die in kleine Plastikbeutel gefuellt wird.

Von Phnom Penh bleiben die Erinnerungen an eine typisch asiatische Hauptstadt mit geringen westlichen Einfluessen. Es ist laut, Strassenkreuzungen haben fast nie eine Ampel und es faehrt immer der, der am lautesten hupt und am unverschaemtesten draengelt.

Frisoer

 Phnom Penh, das war Couchsurfen in einer echten kambodianischen Familie in einer ruhigen Seitenstrasse, in der die rechte Nachbarin morgens, mit einem Plastiktisch und einer Herdplatte, ein Café eroeffnet und die linke Nachbarin ihr Wohnzimmer in einen ganztaegigen Kiosk umfunktioniert.

Typisches Essen auf dem Boden ueber eine Bastenmatte. (v.l.n.r) Ein chinesischer Couchsurfer, Nika (Ehefrau von Samnang), Bruder von Samang, Chris, ich und unser Couchsurfer-Host Samnang.

Jetzt sitzen wir im Bus Richtung Sueden, der erste Zwischenstopp fuehlt sich kalt an, das 1. Mal nach Malaysias’ Teebergen ziehe ich meine Schultern zusammen und habe eine Gaensehaut. Ich kann mich wieder in deutsche Kaelte hineinversetzten, Chris findet es angenehm erfrischend, wir haben vielleicht 15 Grad.

Die Toilette hier ist ekelig, der Innengriff klebt und ich habe noch immer nicht herausgefunden, wie man am besten ueber einem Loch im Stehen pinkelt.

Die Busfahrt macht dort weiter, wo sie aufgehoert hat. Billige, laute Musikvideos schallern aus dem Deckenfernseher, draussen haengen bauschige Nebelwolken zwischen den Bergspitzen, noch 4 Stunden bis  Sihanoukville.

Ein Strandort, indem fast ausschliesslich aeltere, weisse Herren mit extrem  jungen Kambodianerinnen durch die Strassen schlendern. Ich wache von tosendem Regen auf, es schuettet, es donnert und grelle Blitze erleuchten die Dunkelheit. Das Wasser faellt wie in glitzernden Streifen vom Himmel, alles ist feucht, alles  ist gruen. Wie ich die Regenzeit liebe.

Wir bleiben zwei Naechte, denn in 3 Tagen ist unser Flug von Bangkok nach Myanmar gebucht, nur die Weiterreise von Kambodschas Sueden bis nach Thailand sieht auf Landkarten wesentlich kuerzer aus.

Ich will nicht mehr im Bus sitzen, ich kann nicht mehr zaehlen wie viele Stunden ich in den letzten Monaten in Bussen verbracht habe, ich habe genug.

Doch auch diese Fahrt endet erst nach einem Tag und wir erreichen in den letzten Minuten der Oeffnungszeiten die thailaendische Grenze und bleiben fuer eine Nacht in diesem Grenzdorf, das sich als angenehmer entpuppt, als es zunaechst aussieht. Nach Horden abzockender Taxifahrer, Geldumtauschern und anderen Kleinkriminellen bringt uns ein beschwipster Ladyboy mit gemachten Bruesten ein Singha-Bier mit Eiswuerfeln fuer 2 Euro.

Wir bekommen einen Bungalow in Wassernaehe, saubere Bettwaesche und Grillen, die uns in den Schlaf zirpen.

Am Morgen loest sich das Zirpen der Grillen mit dem hektischen Markttreiben ab, ein reger Austausch von Thailand nach Kambodscha, schwere Wagenladungen werden von einem Land ins naechste geschoben.

Wir essen suesses Pad Thai im Foodcenter, hoeren Wind of change im Minibus, an dessen Ausseneite ein Cannabis- und Innenseite ein Winnie Puuh- Aufkleber prangt und wechseln in den zweiten Bus.

Wir erreichen Bangkok nach 6 Stunden und beginnen die nervenaufreibende Suche nach einer Bank, die uns 2000 Dollar in frischgedruckten 100,- Dollarscheinen mit den C- Nummern  geben kann, denn nur so koennen wir morgen nach Myanmar einreisen. Einem Land, indem es keine Geldautomaten gibt und die Wuensche an Dollarnoten recht praezise sind.

Kurz vor Mitternacht haben wir unsere Dollarscheine, ein teures Hotelzimmer und enden im McDonalds, in dem Ronald McDonald buddhistisch die Haende vor der Brust zusammenfaltet. Morgen Abend um diese Zeit werden wir in Myanmar, Burma sein.

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