Wir glauben an eine einfache Grenzueberquerung, denn schliesslich ist die Strecke Bangkok – Siem Reap eine der meistfrequentierten Wege der Rucksackreisenden.  Siem Reap, in Kambodscha, ist der Ausgangspunkt fuer die Tempel von Ankor, es wird als achtes Weltwunder gepriesen.

Wir sind umzingelt von Schleppern, Tuk-Tuk Fahrern und Beamten, zusaetzlich haben wir Mario aus der Slovakei an unserer Seite, der hyperaktiv und unheimlich aufgeregt alle Informationen von sich gibt, die er selbst erlebt hat oder  irgendwann einmal gehoert hat.

Wir tauschen zuerst US-Dollar ein und laufen dann zielstrebig zum thailaendischen Immigrationsbuero, um uns ausstempeln zu lassen.

Danach beginnt der nervenaufreibenste Part, 100 m zwischen Thailand und Kambotscha im Niemannsland werden wir von Schleppern verfolgt:  “Tukkkk Tukkk, Visaaa, Taxiiii”, in der Immigrationsbehoerde erklaert uns ein  unfreundlicher Zollbeamter, wir sollen zuerst  das Visa zahlen.

Ich frage mich, ob der Polizist, das Buero und das Visa echt sind, denn Kambotscha gehoert zu den korruptesten Laendern der Welt.

Ein 30-Tage Visa fuer das “Kingdom of Cambodia” fuer  20$, unterschrieben von Maj Hor Sith, Chief of Visa Service, einen blutroten Einreisestempel, plus 3 Euro Strafe, weil wir kein Passfoto haben.  Bisher laeuft alles nach Plan, jetzt muessen wir nur den Busbahnhof finden.


Im Reisefuehrer gibt es leider keine Karte und nur die Beschreibung, dass Poipet bekannt ist als “Jauchegrube, gefuellt mit Elend, Korruption und Gaunerei” – und genau so fuehlt es sich an. Der Ameisenhaufen laesst mir keine Sekunde Zeit einen klaren Gedanken zu fassen und jeder gibt eine andere Halbwahrheit von sich.

“Heute faehrt kein Bus mehr, du musst ein Taxi nehmen, 30 Dolllar, 25 Dollar, nimm ein Tuk Tuk, komm hierher, geh dorthin”,  immer umrundet von Schleppern und Polizisten, lernt Chris ein neues deutsches  Wort. Scheisshausfliegen

Wir springen auf ein Tuk – Tuk, unsere Schlepper folgen uns auf Motorraedern, doch die Fahrt zum offiziellen Busbahnhof endet nach 500m an einem anderen dubiosen Stopp, die ersten 4000 Riel sind weg. (1$). Ein Durchschnitts-Kambodianer verdient unter 30$ im Monat.


Wir kennen weder die Preise, noch die Buszeiten und wissen immer noch nicht, wo der Busbahnhof ist, ich bin genervt. Ich schaue in einen kugelrunden Vollmond, der von einem leuchtend blauen Himmel auf mich herunterschaut, waehrend das Orange eines Moenchs durch die Strassen huscht.


Die einzige Zuflucht ist ein familienbetriebender Strassenimbiss, weit ab Trubel und das 1.Mal Ruhe.  Neugierige Augen schauen uns an,  schuechternes Laecheln huscht ueber die freundlichen Gesichter, die uns dazu ermutigen, die Kochtopfdeckel zu heben und zu entscheiden, was wir essen wollen.

Plastikstuehle werden fuer uns zurecht gerueckt, der Tisch fuellt sich mit zwei Tellern weissem Reis, drei Tellern Gemuese – Fleisch- Eintopf und zwei eisgekuehlten Coca-Colas.

Ein lindgruener Ventilator steht verstaubt in der Ecke, vor uns dudelt ein Fernseher , eine Lichterkette blinkt um den Altar, Leo-Bier-Pappkisten stapeln sich auf den Tischen und die Kinder sitzen in Nachthemden ueber den Hausaufgaben.

Wir entscheiden uns die Nacht hier zu verbringen und morgen erneut zu versuchen, den guenstigsten Weg nach Siep Reap zu finden.

Das Hotelzimmer kostet 3,50$ pro Person, weicht allerdings stark von der westlichen Auffassung eines Hotels ab. Voellig aus der Puste erreichen wir ueber  extrem steile und schmale Treppen die 3.Etage unser Zimmers.

Nummer 29 besteht aus halbgefliesten Waenden, einer gruengesprenkelten Tapete, grossen schwarzen Schimmelflecken, einer Kaltdusche, einem deckellosen Spuelkasten und einer Fernbediehnung, die so schwach ist, dass wir uns die Finger wund druecken.

Telenovelas, Liebesfilme, Olympia, Schwimmen, Reiten, Kate, William und das ZDF. Ich kann es nicht glauben, nach weit  ueber einem Jahr sehe ich deutsches Fernsehen, eine Reportage ueber einen Teenager, der Ballett tanzt und seinen Vater, der  Bagger faehrt und genervt ueber die erste Frage von Aussenstehenden ist:  “Hast du keine Angst, dass er schwul wird?”

Der Vater hat keine Angst davor, kann die Welt seines Sohnes nicht immer verstehen, steht aber im schlechtsitzenden Anzug stolz in der Berliner Staatsoper.

Danach singt “The Voice of Germany”, die ich noch nie gesehen haben,  zur Einfuehrung der neuen E-Klasse, begeisterte Konstukteure, in gut sitzenden Anzuegen, schwaermen, dass es erstmals einen Mercedes fuer Menschen, mit viel Geld, grossen Wohnungen und Kinderwunsch gibt.

Wow. Ein Auto, das auch fuer Familien gebaut ist, die Euphorie springt nicht auf mich ueber, ich schalte den Fernseher aus, genug deutsches TV, Willkommen in Kambotscha!

Advertisements