Teil 2

Ein Bambus-Balkon, eine Haut wie Porzelan, das Suedostasien – Fruehstueck, lilafarbende Naturseifen, Gesichtmasken aus Mungbohnen, frischgepresste Rote-Beete-Saefte, Apfeltabak, Meditationsgesaenge, fruchtige Ziegenmilch, japanische Misosuppe und italienische Nudeln.


Emanuel aus Etiopien begruesst uns mit einem breitem Laecheln und wir betreten glaenzend braunen Parkettboden, der sich bis in die einzelnen Zimmer verzweigt. So viel Platz, eine offene Kueche, Sofaecken und ein Bambus-Balkon mit Blick ueber Bangkok. Ich atme tief durch, endlich Ruhe, keine Rezeption mehr, an der ich meinen Pass vorlegen muss und einen Schluessel in die Hand gedrueckt bekomme.

Das hier ist ein echtes Zuhause in Thailand, wenn auch ein sehr multikulturelles, im Moment wohnen 5 Nationalitaeten hier, USA, Japan, Italien, Holland und Etiopien vereinen sich am riesigen Esstisch.


Ich dippe Brotfladen in scharfe Fleischsossen, habe keine Ahnung, was sich wirklich in den Schuesseln befindet und versuche moeglichst geschickt mit den Fingern zu essen.

Prya, unser eigentlicher Couchsurfer-Host umarmt uns gutgelaunt, sie ist von auffallender Schoenheit, nicht der klassische Schoen-Typ, eher der interessante Typ, dem jeder gerne zuhoert. Ihr Koerper ist zierlich, ihre Haltung von bemerkenswerter Haltung, ihre Haut sieht aus wie Porzelan. Zurueckhaltung ist ihr fremd, sie hat zu Allem etwas zu sagen, ist voll mit Ideen und traeumt von einem Leben in einer gleichberechtigten Gemeinschaft.

Manchmal ueberfordert sie ihre Mitbewohner, die die Annehmlichkeiten einer WG  zu schaetzen wissen, aber hin und wieder einfach nur die Miete teilen wollen.  Prya dagegen scheint selten Zeit fuer sich zu brauchen, das Handy klingelt oft, Freunde werden eingeladen und neue Menschen zusammengebracht.

Wir beziehen unsere Zimmer, geben Maka das Schoenste, denn sie couchsurft das 1.Mal – ein eigener Raum, ein richtiges Bett und ein eigener Balkon. Echter Luxus und kein Couchsurfing-Alltag. Normalerweise schlaeft man irgendwo, auf der Couch, einer Matraze oder auf dem Boden. Kein Zimmer, bei dem man die Tuer schliessen kann, kein Rueckzugsort, meistens ein gemeinschaftlich genutzter Raum, in dem die Zu-Bett-Geh-Zeiten der Anderen beruecksichtigen werden.

Wir bekommen auch ein Zimmer, allerdings die Abstellkammer, gefuellt mit Kisten, Ventilatoren und Aussortiertem – keine Fenster, kein Windzug, nur eine schmale Matraze – aber die Nacht ist sowieso kurz, denn Prya ist ein Fruehaufsteher mit Tagesplaenen – und so sitzen wir um 07:30 Uhr im guenstigen Taxi auf dem Weg zu einer buddhistischem Kommune, einer non-profit Organsitation, die biologisches und vegetarisches Essen verkauft. Santi Askoke, Nawamin Soi 44.

Viele Thailaender bilden bereits lange Schlangen vor der Essensausgabe, es sind keine Touristen weit und breit zu sehen, wir schnappen uns ein Tablet und fuellen es mit kleinen Schuesseln, – geduenstetes Gemuese,  gebratene Nudeln, Currysaucen und feurig, roten Chilischoten. Das Suedostasien – Fruehstueck.


Qualitaet muss nicht teuer sein, wir zahlen 1$ pro Person – dafuer verzichten wir gerne auf einen Kellner und spuelen unser Geschirr selbst.


Neben dem Restaurant gibt es einen biologischen Supermarkt – getrockneter Lemongrass-Tee, lilafarbende Naturseifen, Decken aus chemikalienfreier Baumwolle, Gesichtmasken aus Mungbohnen und Kaffee aus geroestetem Reis, da niemand hier auf Gewinn aus ist, ist alles unheimlich guenstig. Ich gerate in einem Shoppingrausch und taumel gluecklich zwischen Second-Hand-Kleidung und frischgepressten Rote-Beete-Saeften. Das ist mein Ort!

Hinter Supermarkt, Restaurant und Shop befindet sich der Tempel und eine gruene Oase in Bangkoks Hektik, inklusive riesiger Steinfigur des Kommunengruender.


Wir springen wieder ins Taxi, auf dem Weg zu einem Shoppingcenter, wieder touristenfreie Zone und ein echter Geheimtipp. Normalerweise draengen Verkaeufer zum Kauf, sobald ich Augenkontakt herstelle, sie nennen ueberteuerte Preise und ich habe immer das Gefuehl, zu viel zu zahlen. Hier feilscht niemand, die Preise sind fest und guenstiger als anderswo. Endlich kann ich mir in Ruhe alles ansehen, Kleider, Jeans, Buecher, ipods, Apfeltabak und Peruecken liegen sauber aufgereiht auf den morschen Holztischen.
Tawana market, mall Ban Kapi

Wir springen ins Boot und schippern durch Bangkoks schmale Wasserstrassen zurueck nach Hause, ich laufe durch die Nachbarschaft, besuche einen buddhistischen Tempel und hoere den beruhigenden Meditationsgesaengen zu.

Strassenverkaeufer, Tuk-Tuk Fahrer und Kinder winken mir freundlich zu.

Prya telefoniert bereits Freunde zusammen, heute Abend werden werden die unterschiedlichen Nationalitaeten kulinarisch vereint. Auf dem Herd blubbert bereits Ziegenmilch, eine alte Dame in der Strasse fuettert ihre Ziege mit rein vegetarischer Kost und so bekommt die Milch ihre fruchtige Suesse, ein bisschen Zitrone und Oel und dann haengen wir die dicken Milchflocken in Baumwolltuecher – frischer Ziegenkaese in 4 Stunden.

Neben mir kocht Mio eine japanische Misosuppe, die Italiener rollen dicke Teigfladen aus und stechen Nudeln, ein malayisches Paerchen bringt gebratene Haehnchenschenkel, Thailaender schneiden Chili und auf dem Herd brutzelt ein tunesischer Eintopf. Niemand trinkt Alkohol, es wird Tee serviert und Shisha geraucht, deren Minztabak die Luft mit suessem Aroma fuellt.


Chris spielt Gitarre, es wird gegessen, gelacht und erzaehlt und es ist dieses grossartige Gefuehl, dass ein gemeinsames Essen schon immer die beste Art war, Menschen zusammenzubringen. Danke, Prya.

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