Teil 1/2

Als Fremder in einer Stadt ist es schwer herauszufinden, wo die Einheimischen leben, einkaufen und ausgehen, den „ganz normalen Alltag erleben“ bleibt oft ein unerfuellter Wunsch, wenn du niemanden kennst und dich nur ein paar Tage an einem Ort aufhaelst.

Eine Internetseite hat dieses Problem vor ueber 10 Jahren erkannt und baute, mit dem Ziel Menschen zu verbinden, ein weltweites Netzwerk auf  – das Phaenomen couchsurfen.

Die Internetseite www.couchsurfing.org ermoeglicht eine voellig neue Art des Reisens. Die Mitglieder nutzen die Website, um eine kostenlose Unterkunft auf Reisen zu finden oder selbst eine Unterkunft anzubieten.

Ich habe bisher in den USA, Ecuador, Neuseeland und Thailand gesurft, schnell wurde klar, es geht nicht primaer um einen kostenlosen Schlafplatz, was in teuren Laendern natuerlich sehr hilfreich ist, sondern um ein ganz besonderes Reiseerlebnis.

Immer wieder anders, genau wie die Menschen, die teilen, willkommen heissen und besuchen.
– auch wir wollen wieder couchsurfen gehen, neue Menschen treffen, neue Orte sehen, neue Abenteuer erleben.

In Bangkok bieten 477 Menschen ihre Couch an, wir sind allerdings 3 Personen und das schraenkt die Auswahl auf 43 potenzielle Gastgeber ein – ich schaetze unsere Chancen als aeusserst gering ein, denn wer will schon drei Menschen in seiner Wohnung kostenlos empfangen?

Ich lese ausfuehrlich alle Profile durch und schreibe 3 Menschen eine moeglichst persoenliche und interessante Email, die erklaert, warum wir gerade diese Person treffen moechten und die Lust macht uns einzuladen.

– innerhalb von 24 Stunden erhalten wir zwei Einladungen – oder akzeptierte Couchanfragen, eine senstationell gute Quote.

Gastgeber Nr. 1 heisst Prya, sie ist 26, kommt aus den USA, spricht englisch, hebraeisch und thai, lebt in einer internationalen WG mit viel Platz und schwaermt von selbstgemachtem Ziegenkaese und oekologisch korrektem Essen.  Prya bietet uns fuer zwei Naechte einen Schlafplatz, schickt uns ihre Telefonnummer und eine Wegbeschreibung. Das ist alles was wir im Vorfeld wissen.

Ein letztes Fruehstueck, nahe der Kao San Road, Ladyboys bringen mir Toast anstatt Sandwich, haben grossporige Haut und roten Lippenstift an den Zaehnen kleben.  Wir satteln unsere Rucksaecke, nehmen aus Kostengruenden kein Taxi, sondern laufen und laufen und laufen. Die Hitze schlaegt mir  mit Huehnchen-Bratfett-Geruch ins Gesicht, Schweiss laeuft meinen Ruecken herunter und wir finden den Weg zum Boot nicht – was daran liegen koennte, dass sich unzaehlige Kanaele durch Bangkok schlaengeln.

Wir geben auf den letzten Metern auf und springen in ein Taxi mit Klimaanlage, bewegen uns im Verkehrschaos immer noch in Schrittgeschwindiglkeit, aber mit der Chance unseren Koerper auf Normaltemperatur runterkuehlen zu lassen.

Wir erreichen den richtigen Steg, springen in das schmale Boot und setzten uns gluecklich auf die Rueckbank. Der Zustand sich nicht wie Tourist zwischen lauter anderen Touristen zu fuehlen ist grossartig und jede Anstrengung wert.

Endlose Waescheleinen ziehen an uns vorbei, T-shirts, Kleider, lange Hosen, kurzen Hosen, Unterhosen, hier trocknen also all die Waescheberge, die taeglich in Thailands Laundry-Service abgegeben werden. Niemand waescht hier seine Waesche selbst, morgens abgeben und abends eine Plastiktuete mit glatt beguegelter Waesche wiederbekommen, 0,70 Euro fuer 1 Kilo Waesche.


photo by Chris Cooke

Der Motor ist so laut, dass wir selbst, wenn wir schreien unser eigenes Wort nicht verstehen koennen, das Wasser stinkt, ich klammere mich um den kleinen Plastikring, der eine blaue Plastikplane hochzieht und verhindert, dass wir komplett durchnaesst ankommen.

Dicke Autoreifen haengen als Daemmung an den Holzstegen, um moeglichst sanft anzulegen – das Aus-und Umsteigen ist alles andere als sanft und wir bekommen keinen Touristenbonus, in Sekunden muessen wir mit Gepaeck rausspringen, das Boot wartet nicht und niemand moechte hier ins Wasser fallen.

Wir kreuzen eine Bruecke, einen Tempel und einen SevenEleven, wir finden das 6stoeckige Hochhaus, klingeln an Tuer Nr. 6a – das eigentliche Couchsurfen beginnt. Mehr in Teil 2.

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