Dieser Markt stinkt so sehr, ich kann mein Wuergen kaum unterdruecken, eine Mixtur aus rohem Fleisch, altem Fisch und verfaulten Eiern. Ich rutsche mit meinen Flip Flops ueber die Abwasserreste, presse mein Kleid ueber Mund und Nase und versuche dem Geruch zu entkommen, aber er scheint mich zu verfolgen.

Wir laufen zum Busbahnhof, um Nr 38 zur Grenze von Malaysia nach Thailand zu erwischen und treffen Makarena aus Chile, ja Makarena wie der Song. Gemeinsamkeiten sind schnell gefunden, wir haben alle Drei keine Ahnung, ob die Grenze noch geoeffnet ist, wir alle sprechen spanisch und huepfen zusammen in den Bus, indem ausser uns keine Reisenden sitzen.

Makarena sieht mit ihren schwarzen Haaren, die fast bis zum Po reichen, wie die suedamerikanische Version von Kim Kardashian aus. Es ist schoen endlich wieder spanisch mit jemanden zu sprechen, obwohl die Chilenen es einem schwer machen, denn sie erfinden staendig neue Worte, kuerzen alles ein und sprechen wie ein Wasserfall.

Wir erreichen die Grenze im stroemenden Regen, verpacken uns und die Rucksaecke in wasserdichte Kleidung und laufen gutgelaunt nach Thailand – noch immer sind keine anderen Touristen zu sehen.

Neuseeland und Deutschland bekommen auf dem Landweg lediglich eine Einreisegenehmigung fuer 2 Wochen, Chile kann mit 3 Monaten punkten.

Strassenstaende, streunende Hunde und die Abenddaemmerung begruessen uns in Thailand.
Der erste Geldautomat laesst mich erstmals die Euro-Krise spueren, noch vor 2 Jahren gab es fuer 1 Euro, 46 Baht, heute sind es knapp 38. Unser Zug zur Weiterreise faehrt erst am naechsten Morgen, das gibt uns zumindest die Gelegenheit, in einem Ort zu schlafen, in dem jeder nur weiterreist.

Ladyboys flanieren durch die Gassen, thailaendische Winkekatzen stehen in den Supermaerkten und das Portrait von Bhumibol Adulyadej dem Großen, demKönig von Thailand haengt an jeder Wand. Bhumibol ist seit  dem 9. Juni 1946 im Amt und ist das derzeit am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt, er wird verehrt und geliebt.

Wir beziehen unser fensterloses Zimmer fuer 3,50Euro pro Person und bekommen steinharte Betten, eine Toilettenspuelung, die nur ueber die Dusche funktioniert und einen riesigen Ventilator, der traege vor sich hin rattert.

Verschlafen laufen wir um 5:45 Uhr zum naechsten Zug, sind immer noch die einzigen Rucksackreisenden und zahlen 86 Baht, (2,50Euro) fuer eine 12stuendige Zugfahrt.

Ein Mann mit verkrueppelten Fuessen und ein Blinder betteln sich durch den Zug, doch nur der Blinde bekommt von fast allen Kleingeld zugesteckt, daneben schieben sich Frauen mit gegrillten Huehnchen, Salaten und Schokolade durch die Gaenge.

Endlich wieder Zugfahren, ich liebe Zuege, die gemaechlich durch die Landschaft tuckern. Gruene Regenwaelder, riesige Palmen und unberuehrte thailaendische Doerfer ziehen an uns vorbei.

Ich habe das Verlangen, hier aussteigen zu wollen,  in einem Thailand, das von Touristen nicht besucht wird, doch die Idylle truegt, Thailands Sueden mit malayisch-stämmigen Muslimen und buddhistischen Thais  hatte immer ein hohes Konfliktpotenzial.

Neben uns sitzen Frauen in Kopftuechern, die uns ihr schuechternes Laecheln schenken, auf den Feldern stehen ernste Polizisten mit Maschinengewehren und die orangefarbenden Gewaender der Moenche leuchten in der Morgensonne.

Der warme Fahrwind weht durch unser Abteil, Maenner stehen rauchend an den offenen Tueren und ein kleiner, alter Thai erklaert uns, welche Preise fuer eine Huehnerbrust gerechtfertigt sind und ab wann die Abzocke beginnt.

Nach 12 langen Stunden erreichen wir Surat Thani, Ausgangspunkt fuer die Weiterreise zu Thailands beruehmten Inseln und der Beginn des Touristenwahnsinns. Krebsrote Sonnensuechtige, abgebruehte Taxifahrer und unzaehlige Rucksaecke laufen hektisch hin und her.

Wir bleiben entspannt, setzen uns in einen unscheinbaren Strassenimbiss und bestellen eiskaltes Chang-Bier und gebratene Nudeln in scharfer Chilisosse.

Jeder kommt oder reist auf eine Insel, wir wollen nur ein paar Tage den Strand geniessen und sind vollkommen leidenschaftlos, welche Insel wir ansteuern werden.

Wir waehlen den einfachsten Weg, folgen Makarena nach Ko Tao, ein weltberuehmtes Taucher-und Bergsteigerparadies. Ich besteige weder Berge, noch ist Tauchen fuer mich eine angenehme Vorstellung, ich suche nur einen ruhigen Platz zum Schreiben und der wird sich wohl ueberall finden lassen.

-und so quetschen wir uns in ein  Boot, indem Passagiere, ausnahmslos Rucksackreisende, wie die Oelsardinen nebeneinander liegen. Ich bin froh dass ich mit Chris eine Doppelmatraze teile, denn die ist so schmal ist, dass du den Atem deines Nachbars riechst.

Eine 24stuendige Reise per Zug und Boot endet am naechsten Morgen um 6.00 Uhr, die allwissende deutsche Rucksackreisende neben uns erledigt sorgfaeltig ihre Yoga-Dehnuebungen, durch die Fenster-Luke sehen wir die ersten Umrisse von Ko Tao, wenn ich jetzt wuesste, dass wir die naechsten 6 Stunden damit verbringen, eine ruhige, guenstige Unterkunft in der brennenden Sonne zu finden, wuerde ich weinen.

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