Ramadan, regenbogenfarbene Oelflecken im suedchinesischen Meer, ein  elektrischer Fliegenfang-Tennisschlaeger, ein stehlendes Eichhoernchen, eine aufgezogene Pappwand, chinesische Liebeslieder, ein Loui Vuitton- Kofferset, ein Otter namens Amram, fliegende Fische und ein Sommernachtsgewitter. Die Perhentian- Inseln  in Malaysia.

Die Wasseroberflaeche spiegelt sich verfuehrerisch, aber sie ist hart wie Stein, wenn das Boot aufkommt und in meinem Magen zieht es von oben bis unten-  um uns herrum sitzen gut gebildete Malaien, die fuer ein paar Tage die Insel besuchen, um noch einmal richtig zu feiern bevor der islamische Fastenmonat, Ramadan, beginnt.

Sie schwaermen von den Perhentian-Inseln, die an der Ostkueste Malaysia liegen, mitten im suedchinesischen Meer, sie tragen schweres Tauchequipment mit sich, denn Tauchen hat sich in den letzten Jahren zu einem Trendsport in Malaysia entwickelt,

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob es wirklich so eine gute Entscheidung war, hierher zu kommen. Die Perhentian-Inseln gehoeren zum Reiseziel Nr. 1 bei Einheimischen und Touristen, wir planen optimistisch auf die kleinere Insel zu fluechten  und uns dort den abgelegensten Strand zu suchen, um selbst hier unser Paradies zu finden.

Die Realitaet empfaengt uns weniger vertraeumt, selbst am ruhigen Strand stehen reihenweise belegte Plastikstuehle, Restaurants, Tauchschulen und Unterkuenfte – die alle belegt sind.
Ich kann meine Enttaeuschung nicht verbergen.

Ja es gibt hier, kristallblaues Wasser, weisse Straende, keine Strassen, keine Autos und keine Geldautomaten, das alles bedeutet jedoch nicht das es sich um eine einsame Insel handelt.

Verglichen mit allen anderen Unterkunftssuchenden haben wir dennoch Glueck und ergattern eine Holzhuette mit Meerblick am aeusseren Ende des Strandes fuer 12 Euro pro Person.

Ein Ort an dem wir fuer den Ausblick zahlen, denn das Zimmer koennte liebloser nicht sein. Ich mag es, wenn es einfach ist , aber einfach und ein Drecksloch ist ein Unterschied. So sehen Unterkuenfte aus, in denen Besitzer, nie auf Gaeste warten und immer ausgebucht sind.

Direkter Wasserzugang per Leiter.

Eine durchlegene Matraze, ein zerschlissenes Moskitonetz, ein Fetzen Haengematte, zwei Plastikstuehle, herausgerissene Schiebetueren , ein elektrischer Fliegenfang-Tennisschlaeger, ueber allem liegt eine sueffige Dreckschicht und wir teilen den Raum mit einem Gecko, der nichts faengt.

Im Nachbarhaeuschen wohnt eine 4koepfige deutsche Familie, deren Kekse immer von einem Eichhoernchen gestohlen werden, waehrend sie im Innersten darueber streiten, wer den meisten Schlaf bekommt und wer sich um die Kinder kuemmern sollte.

Das kostenlose Fruehstueck wird zum Highlight, ein richtiges Omelett, Brot, Kaffee und ein frischgepresster Saft, on top, kostenloses Wifi – endlich kann ich mal wieder etwas schreiben.

Ich skype mit meiner Oma, die traurig ist, weil es in diesem Jahr keinen Sommer gibt,  im gleichen Moment geht bei mir die Sonne in allen Blau-und Goldtoenen unter, wie eine aufgezogene Pappwand, zu schoen um wahr zu sein.

Wir treffen Michelle, den arroganten Schweizer, der sich immer ueber alles beschwert und beklagt, “dass alle nur sein Geld wollen”, seine harte Schale beginnt dennoch zu broeckeln, als er uns am Strand chinesische und thailaendische Lieder auf der Gitarre vorspielt und wehmuetig  hinzufuegt: “An anderen Orten habe ich Freunde gefunden”

Auch wir haben keine Zeit, um Freundschaft zu schliessen, denn wir checken nach zwei Naechten aus, geben allen Komfort ab und begeben uns auf eine kurze Dschungelwanderung, um am naechsten Strand, Mira Beach, zu zelten.

– auch hier zahlen wir, fuer Toiletten- und Kaltduschenbenutzung, allerdings ueberschaubare 1,80 Euro pro Person. Ein “Resort” mit “einfache Huetten fuer Wohlhabende” – grosse Holzhaeuser und die ganze Nacht wird ein Generator betrieben, nur damit die Menschen ihren Weg zur Toilette finden. Schoene einfache Welt.

Am Strand sitzt eine  6koepfige, franzoesische Familie im  Loui Vuitton- Kofferset, eleganten Tischmanieren und immer genuegend Kleingeld, fuer eisgekuehlte Drinks, frische Obstsalate und Wassertaxi-Ausfluege.

Der Kellner schreit zum 100ten Mal an diesem Tag “Amram, Amram”, ein an menschengewoehnter Otter, der immer weglaeuft , gesucht und notfalls per Boot gefunden wird, manchmal verkriecht er sich unter unseren Tisch und qieckt so lange, bis Chris ihm das Kinn krault.

Wir schnorcheln uns unseren Weg durch die Unterwasserwelten , hinter mir fliegt ein Schwarm von fliegenden Fischen ueber die Wasseroberflaeche, wie die Voegel in ausgetueftelter Choreography – wunderschoen, nur fuer einen Wimperschlag im gleissenden Sonnenlicht zu sehen, bis sie fast lautlos unter Wasser verschwinden, wie der Klang von Regentropfen, die alle gleichzeitig aufkommen.

Nachts sitzen wir in unserem Zelt, ein Sturm drueckt die Regentropfen gegen die duennen Waende, in der Ferne schlagen Blitze ueber dem Meer zusammen, ich habe das Gefuehl, wenn wir uns nicht ganz fest auf den Boden druecken, fliegen wir weg.

Am Morgen liegt die Bucht wieder ruhig im sanften Morgenlicht, Rostang fegt den Strand fuer die Urlauber schoen, blaest Rauchkringel in die Luft und verabschiedet uns mit einer herzlichen Umarmung.

Rostang  werden wir in unseren Erinnerungen behalten, aber das Besondere haben wir hier nicht gefunden und so ziehen wir weiter, zurueck durch den Dschungel, direkt aufs vollgestopfte Touristenboot, um in ein paar Stunden die thailaendische Grenze zu ueberqueren, an der ueberraschenderweise keine Touristen mehr warten.

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