Freitag der 13te.

Der Bustbahnhof von Ipoh gehoert zu den Klassikern unter den nervenaufreibensten Busbahnhoefen weltweit. Es ist drueckend heiss, extrem schwuel, ich kann kaum atmen und alles riecht nach Busabgasen.

Orangefarbende Plastikstuhlreihen schlaengeln sich meterlang hintereinander, wartende Menschen und langezogendes Marktgeschrei kuendigt die naechsten Busse an: „Jeellllliiiii, Tanahhhh Merahhhhhhh, Kotahhhh Bahruuuuuuuuu“

Riesige Metallventilatoren, in deren Mitte sich graue Staubknaeule gefangen haben, haengen ueber uns. In allen Strassenkuechen stehen riesige Fernseher, Leinwaende und Dolby -Surround-Systeme. Wir schauen einen malaysischen Teenager-Film, der handelt hauptsaechlich um Rebellion, Motorrad-Rennen und einer gewalttaetigen Grossmuetter.

Ich bestelle und weiss, wie immer, nicht was ich wirklich bekomme. Ein Eistee wird zum Eiscafe mit klirrenden Eiswuerfeln und ganz viel Zucker, ueberhaupt ist alles sehr suess hier. Frauen mit langen Kopftuechern wuseln mit dampfenden Curryschuesseln durch die Reihen, wir warten auf den 23:00 Uhr Shamisha Ekspresso Sonderbus, 35 Ringit (12 Euro) nach Kotah Bahru, vorrausgesagte Ankunftszeit, 10:00 Uhr am naechsten Morgen.

Die Busfahrt beginnt um genau 23:36 Uhr, ein schrottiger Bus, der quietscht und knackt, eiskalte Luft wechselt sich im 5-Minuten-Takt mit heisser Luft ab. Das Fenster ist zum Anlehnen zu weit enfernt, Armlehnen existieren nicht und die Fussstuetze haengt zu tief, ich rutsche immer wieder den gesamten Sitz herrunter.

Unser Busfahrer faehrt wie ein Selbstmoerder, der mehrmals die Kontrolle ueber den Bus verliert. Es fuehlt sich an wie Fliegen, wir schwingen von links nach rechts, kein Rad scheint mehr die Strasse zu beruehren, wir ueberlegen auszusteigen, aber hier ist weit und breit nur Strasse zu sehen. Eine Strasse auf der wir die Schnellsten sind, das Ruecklicht des Vordermanns ist immer direkt vor unserer Frontscheibe, ich bin mir sicher, diese Fahrt nicht zu ueberleben, selbst Chris hat ernsthafte Bedenken.

Der Albtraum endet um 06:00 Uhr, es ist stockdunkel , es regnet und wir werden am Strassenrand rausgelassen, manchmal schlaegt dir das „ich will wie ein Einheimischer reisen“ ganz schoen ins Gesicht. Ich weiss nicht wo wir sind, ich will schlafen, ich muss auf die Toilette.

– Toiletten gibts hier nicht, ich knie in einer Seitenstrasse nieder und Chris haelt Wache.

Wir finden nach mehreren Wegbeschreibungen den naechsten Busbahnhof, schlagen noch immer jedes noch so unglaubliche Angebot der Taxifahrer aus und warten 2 weitere Stunden auf den naechsten Bus.

Wir fruehstuecken im Strassenimbiss, ein agressiver Typ unter Drogen haelt in der linken Hand eine Zigarette und in der rechten ein Baby, er schlaegt den Besitzer hart auf den Hinterkopf und eine alte Frau steckt ihm 3 Ringit zu, „fuer das Baby“.

Wir sitzen im naechsten Bus, der uns zu unserem Boot bringen wird, mit dem wir hoffentlich im Paradies landen werden. Saftig gruene Palmen ziehen vorbei, Chris haelt meine Hand und natuerlich landen wir nicht im Paradies, aber das wissen wir jetzt noch nicht.

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