Es gab durchaus einmal tiefgruendige Ideen, warum wir ein Land besuchen wollen. Der Grund nach Malaysia zu reisen koennte trivialer nicht sein, denn vor 3 Wochen wurden wir , vor der Einreise nach Japan,  gezwungen ein Ausreiseticket vorzulegen.

Wir hatten weder ein Ausreiseticket, noch eine Idee, wohin wir nach Japan reisen wollten, also buchten wir das billigste Ticket, was wir finden konnten, 150 Euro fuer einen 6-stuendigen Flug von Japan nach Malaysia – und so stehen wir jetzt zwischen stark geschminkten Flugbegleiterinnen in knallroten Bleistiftroecken und mit aufgesetzter Heiterkeit. Heute mussten wir kein Weiterflugticket vorlegen,  heute werfen Kinder kreischend luftgefuellte Plastiktueten in die Luft und im verglasten Raucherraum laeuft eine Tabakwerbung, die hippe  Geniesser- Menschen zeigt.

Unseren Lippen sind umrandet von Milchschaumbaerten, wir beissen in unsere letzten 10 Euro – ein Starbuck Sandwich und haben dieses beneidenswerte “Das Leben ist schoen Grinsen”.

Wir betreten den Flieger mit gutgelaunter Techno-Musik, Air Asia sorgt fuer ausgelassene Stimmung, bleibt aber den Gesetzen der Billigairline treu- keine Decken, kein Essen und diesmal auch kein Wasser.

Ich lese Sarah McDonalds Indien-Abenteuer, Holy Cow, und waere jetzt lieber auf dem Weg nach Indien. Waehrend wir den pinken Sonnenuntergang durchqueren, streiten wir darueber, wer die meisten Fotos macht, bis wir wieder mit froehlicher Trance-Musik  in den Flughafen von Malaysias’ Hauptstadt Kuala Lumpur entlassen werden.

Mein Kopf versucht die ersten Eindruecke von einem Land abzuspeichern, das mir noch fremd ist.

Frauen in schwarzer Ganzkoerperverhuellung, unzaehlige Kopftuecher, ein extrem unkomplizierter Flughafen, Polizisten mit safrangelben Streifen auf den schraegsitzenden Muetzen, eine unertraegliche Hitze, frosting-kuehle Klimanlagen, alle rauchen vor Nichtraucherschildern, der suesslich-scharfe Geruch von Indien, Preise auf der Strasse verhandeln, Seven-Eleven ohne Bier, breite Plueschsessel im lokalen Bus, jeder spricht englisch und wir zahlen jetzt in Ringit.  

Die U-bahn ist um Mitternacht bereits geschlossen und so sitzen wir im Taxi plus Mitternachtzuschlag auf dem Weg nach Chinatown, dort liegt unser Hostel, das wir bereits fuer eine Nacht gebucht haben.

Unsere Wegbeschreibung “direkt neben dem Seven Eleven, gegenueber der Reggaebar” hilft nicht wirklich weiter, an jeder Ecke ist der orange-gruene Supermarkt,  “Reggaebar 1” und “Reggaebar 2” befinden sich in nur einer Strasse, doch unser Taxifahrer entlaesst uns mit einem “Willkommen in Malaysia” an der richtigen Strassenecke.

Der Halbmond scheint auf uns herab, unsere Kleidung klebt am Koerper,  Stromkabel verbinden in wilder Logik baufaellige Haeuserfassaden,  in unserem Hostel werden die Schuhe vor dem Betreten ausgezogen, der indische Rezeptionist traegt meinen Rucksack ins Zimmer  und trotz des langen Reisens, in so unterschiedlichen Laendern, ist das Ankommen in Suedostasien  ein ueberwaeltigendes Gefuehl.

Ein Gefuehl, das mir sehr bekannt ist, ich fuehle ich melancholisch zurueckversetzt in das Jahr 2008, als ich zum 1. Mal mit dem Rucksack reiste, in der Hektik von Bangkok  das 1.Mal die fremde Luft Suedostasiens roch, das 1.Mal in den Sog der Backpacker eingezogen wurde, das 1.Mal davon traeumte, zu reisen.

Wir teilen eine eiskalte Dose Tiger Bier (2.50 Euro) mit einem Portugiesen, einem Japaner und einem  Russen, –  5 verschiedene Nationalitaeten an einem blauen Plastiktisch, auch das ist die Fazination Suedostasiens.

Es ist dieses seltsame Gefuehl zwischen den Welten so haengen, nur eine Stunde Zeitunterschied zu Japan, doch ich fuehle mich extrem jetlagged, wir schlafen von 4:00 bis 7:00 Uhr, die tageslichtfreien, klimatisierten Raeume machen es unserem Zeitgefuehl schwer, seinem natuerlichen Rhythmus zu folgen.

Im Vorraum dudelt Grey’s Anatomy, pappiges, suesses Weissbrot, ranzige Butter, kuenstliche Erdbeermarmelade und suesser loeslicher Kaffee bilden das kostenlose Hostel- Fruehstueck.

Vor der Tuer hat sich die mitternaechtliche Hitze in einen multikulturellen Schmelztegel verwandelt, Japans blitzblanke Logik ist definitiv verschwunden.

Klimaanlagen

 

Indische Hinditempel mit Ganesha-Koepfen, Frauen mit weissen und roten Punkten zwischen den Augen, farbenfrohe Saris,  Blumenketten-Verkaeufer und das indische Kopfschuetteln, welches immer aussieht wie ein nein, aber tatsaechlich ein ja ist.  Ich kann es kaum glauben, da wollte ich immer zurueck nach Indien reisen und jetzt koennte es nicht indischer sein – mitten in Malaysia.

Doch nicht nur Hindutempel praegen das Stadtbild, sie stehen vereint zwischen Moscheen und Kirchen, Menschen  unterschiedlichster Nationalitaeten vermischen sich im Restaurant, am Arbeitsplatz oder beim Haendchenhalten.

Ein chinesisch-indisches Teenagerpaerchen knutscht neben uns, sie mit Retro-Ponyfrisur und Fake-Lederjacke, er in tuerkiser Surfershort und Paul – Smith- Tasche. Chris bekommt im Privatkrankenhaus 4 Impfungen fuer 40,-Euro, ich zahle nur 0,80 Cent und spaeter wird unser Rezeptionist in indischem Akzent sagen: “ Today is your lucky day”. (Heute ist dein Glueckstag)

Ja, heute ist unser Glueckstag –  wir sind gluecklich mit unserem Leben, genauso wie es ist, denn wir haben gelernt das Glueck zu schaetzen.

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