Ich knoepfe die Gardine auf und blicke auf futuristische Gebaeude und menschenleere Strassen, die ueberstandene Nacht im Bus fuehlt sich an, wie eine Nacht, die gar nicht da gewesen waere.

Benommen stehen wir mit unseren Rucksaecken vor Tokios Hauptbahnhof und sind umgeben von Rauchern. Alle tragen das gleiche Outfit, schwarze Anzuege und weisse Hemden und alle pusten ihren blauen Qualm in die Luft. Die rauchenden Pinguine von Tokio.

Die erste Tafel, die wir lesen, ist ein Evakuierungsplan im Falle eines Erdbebens, denn Tokio gehoert zu den erdbebenaktivisten Regionen der Welt, durchschnittlich 3 Beben taeglich, die meisten bemerkt man jedoch nicht.

Hier stehen wir nun, um uns herum nur Asphalt und der grosse Plan zu campen! – auf wikitravel klang das irgendwie abenteuerlustiger. 

Wir fluechten in den einzig sicheren Platz auf der Welt, bei dem es immer einen anstaendigen Kaffee und ein kostenloses Wi-Fi gibt. – denken wir.

Tokios McDonalds Filiale ist nicht sehr amerikanisch und riecht wie in Zeiten, als in deutschen Zuegen noch geraucht wurde. Jeder Besucher sitzt vor einem kleinen Metallaschenbecher, weder Menuekarten, noch Mitarbeiter sind der englischen Sprache maechtig und das Wi-Fi muss extra gezahlt werden. Hae?

Wir geben nicht auf und werden einfach mit der naechsten U-Bahn in den Szenestadtteil Shibuya fahren und uns ein ruhigens Plaetzchen im Park zum fruehstuecken suchen.

Doch einfach ist hier gar nichts. Draussen haben sich die menschenleeren Strassen in Ameisenstrassen verwandelt.

Menschen, Menschen, Menschen – kleine, duenne, muede, gehetzte – alle laufen durch Tokios oeffentliche Transportsysteme.  – niemand lacht, niemand schlendert, niemand sticht heraus, die Maenner im polierten Lederschuh, die Frauen auf viel zu hohen Absaetzen. Ich will hier raus, Chris bleibt cool.

Wir finden einen Supermarkt, der nur die typischen Nudelbecher verkauft und das heisse Wasser dafuer zur Verfuegung stellt. Drei Plastiktueten oeffnen und warten –  Fast-Food-Fruehstueck in Tokio, ich vermisse Brot und Kaese.

Wir geben das Camping auf und buchen uns fuer 50 Euro pro Person ein Love-Hotel, indem sich japanische Paerchen ohne gemeinsame Wohnung auch stundenweise einmieten koennen. Die meisten Besucher sind jedoch ganz gewoehnliche Gaeste, die sich fuer die komplette Nacht entscheiden.

Es ist sehr lange her, dass wir 50 Euro fuer ein Hotelzimmer gezahlt haben, wir geniessen die neuen Extras. Ein Bad mit Whirlpool, Shiseido- Produkten und der ueblichen, vollausgestatteten Toilette.

Japanische Toiletten-Funktionen

Wir hoeren franzoesische Musik, bruehen frischen Kaffee, schluepfen in kueschelige Handtuecher und weisse Hausschuhe.

Wir laufen nachts durch eine Stadt in der es nie dunkel ist, selbst der Himmel schimmert in silbrig-leuchtenem Grau metallisch zwischen den Hochhaeuserspitzen hervor.  

Neonlichter, Reklame, Screens, metrosexuelle Popstars, Lolita-Werbe-Gesichter und kitsche Musikvideos neben dampfenden Nudelkuechen, Family-Mart Supermaerkten, 100yen Shops,
verliebte Paare, hektische Raucher und ganz viele Mobiltelefone.

Tokio scheint futuristischer als andere Staedte, doch es gibt auch andere Zukunftsmodelle und zu einem sehr gegensaetzlich werden wir heute aufbrechen, um Freiwilligenarbeit in Japans Bergen zu leisten.  

Nur 3 Stunden von Tokio entfernt, direkt am Berg Fuji,  lebt eine 60koepfige Gemeinschaft zusammen, die sich komplett selbstversorgt und nach einer ganz anderen Zukunft strebt.

coming soon

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