Fuehl Dich besonders, vergesse, fuehl Dich besonders

Wir schluerfen ein letztes, kaltes Asahi -Bier in der kleinen Kueche, das Mondlicht scheint beruhigend auf uns herab und Eriko umarmt uns mit einem breiten Laecheln, bevor wir unsere Reise nach Tokio antreten.

Unser hochgestecktes Ziel:  „urban camping“ in einer der teuersten Staedte der Welt, um Geld zu sparen und ein echtes Abenteuer zu erleben. Mit Schlafsaecken und einem Zelt erreichen wir unsere Vip-Loge.

Der durchschnittliche Tokio-Bus-Preis  liegt bei 70 Euro, doch wir sind stolzer Besitzer des guenstigsten Tickets, 23.000 Yen (23 Euro)  und unsere Busgesellschaft nennt sich trotzdem VIP-Liner.

Ein froehlicher Japaner haengt uns einen rot-weissen VIP-Pass mit gruenem Baendchen um, auf dem verheissungsvoll der Buchstabe A prangt. Um uns herrum sitzen absolute Durchschnitts-Japaner, junge Maenner mit der amerikanischen Flagge auf ihren T-shirts und Teenager mit pinken Puscheln am Handy  –  alle tragen den Buchstaben A und sind sehr beschaeftigt die Serviceangebote zu nutzen.

Fernseher, Ladestationen, Internet, Suppenautomaten, ein Badezimmer mit Gesichtswaesserchen,  Make-up- spiegeln, Glaetteeisen und Toilettensitzheizung, die mir immer das Gefuehl gibt der Vorgaenger muss eine besonders lange Sitzung gehalten haben.

Die 10 Minuten Wartezeit sind vorbei, alle stellen sich brav in einer Reihe auf, um von der Lounge in den Bus zu wechseln. Die VIP-A-Paesse werden am Ausgang abgegeben und damit scheinen wir auch alle Annehmlichkeiten zu verlieren, es bleibt nur noch eine sehr kuschelige, neonblaue Decke, die auf unseren sehr beengten Plaetzen wartet.

Keine Toiletten, kein Fernseher, nur ein Monitor, aus dem eine freundliche Stimme erklaert, wie die Sitze zurueckgeklappt werden. Im selben Moment klappen 56 Japaner zum identischen Zeitpunkt ihre Sitze nach hinten und das Licht geht aus. So sitzen wir im im stockfinsteren Bus, selbst die Gardinen sind zugeknoepft und kein Mucks ist mehr zu hoeren.

Ich bin sehr froh, dass Chris neben mir sitzt, denn selbst ein Fremder wuerde bei dieser Enge  an meiner Schulter schlafen. Nach 7 Stunden Fahrt wird in Tokio eine weitere VIP-Loge und ein Vip-Pass auf den mueden Japaner warten.

Der Anfang und das Ende dieser Fahrt wird sehr komfortabel gestaltet, immerhin wird in der Mitte, der eigentlichen Reise alles getan, damit der Reisende vergisst, wie unbequem diese Nachtfahrt ist – doch fuer 23 Euro wuerden wir uns immer wieder dafuer entscheiden, danke Vip-Liner!

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