Das Land des Laechelns

Die Japaner, alle, ohne auch nur eine Ausnahme sind hoeflich, zuvorkommend und schenken dir immer ein Laecheln, ausser sie verstecken es hinter einem Mundschutz. Bereits nach einer Woche adaptieren wir die typische, japanische Geste, das Gruessen mit einer tiefen Vorwaertsbeuge des Oberkoerpers und einem langgezogenden: K-o-n-i-t-s-c-hi-w-a-a-a-a (Guten Tag).

100 Woerter wollte ich lernen, bevor ich nach Japan reise, doch Arigato – danke, Ohaio – Guten Morgen, hai – ja und  Sumimasen– Entschuldigen Sie –  sind bisher die einzigen japanischen Worte, die wirklich in meinem Gedaechtnis bleiben.

Die wichtigsten Schilder und Erklaerungen gibt es in englisch, aber meistens sind nur japanische Zeichen um uns herrum. Supermaerkte, Strassennamen und Warnhinweise – alles ist vollkommen unverstaendlich.  Ein Land ohne Buchstaben.

Keine leichte Aufgabe- diese Zeichen mussten wir finden nachdem unsere Fahrraeder „abgeschleppt“ wurden, 3 Stunden Fussmarsch, ein japanischer Stadtplan und 25 Euro pro Person.
Wochenmarkt, bei dem wir nur die Preise lesen koennen.
und so greifen wir das, was wir kennen, auch wenn Sushi zum Fruehstueck gewoehnungsbeduerftigt ist.
Endlich einmal alles in kleinen Groessen! Second-Hand-Laden in Kyoto

Viele Japaner behaupten zurueckhaltend, sie koennen nur ein wenig Englisch sprechen,  sind aber dann doch viel besser. Aehnlich wie der Neuseelaender, immer ein bisschen tiefer stapeln, als noetig.

Wer haette gedacht, dass ich einmal zu den Ehrengaesten einer Englischstunde in Japan gehoere? – Chris Bruder arbeitet als Englischlehrer in der YMCA Sprachschule im Herzen von Kyoto und wir durften noch einmal auf der Schulbank Platz nehmen.

Seit 10 Tagen leben wir in Kyoto in einem japanisch-neuseelaendischen Haushalt, von Chris Bruder S., seiner japanischen Ehefrau E. und den beiden „Japaniwis“ (japanese + kiwi), zwei zweisprachig aufwachsenden Unter-5-jaehrigen.

Wir spielen „Prinzessin“und drehen unsere Kleider im Kreis, bis uns schwindlich wird, huepfen von Treppen, wobei einer springt und einer der Stuntman ist, der auf den Stufen liegen muss, spielen „verstecken“, bei dem in der japanischen Version, der Suchende „Onni“ genannt wird, wir fechten Unstimmigkeiten mit „Schere, Stein, Papier“ aus, einem sehr beliebten Duell, dessen Ergebnis von allen widerstandslos akzeptiert wird, wir radeln mit dem pinken Minifahrrad durch die saubere Nachbarschaft, lassen Kieselsteine im Wasser springen und beginnen jede Mahlzeit mit einem Dank fuer die Gaben, nach buddhistischer Tradition.

Tako-Yaki- Octopus balls (Krake)

Auf dem Tisch stehen viele kleine Schaelchen, gefuellt mit suessen Cherrytomaten, lilafarbendem Reis, gruenen Bohnen, gebratenem Lachsfilet und dunkelbraun-schimmernder Sojasauce. Wir picken die einzelnen Zutaten grazil zwischen unsere Staebchen, die in Japan eine ganz persoenliche Bedeutung fuer ihre Besitzer haben. Ein lebenlang werden dieselben zwei Staebchen benutzt, nach dem Tod wird die letzte Schale Reis serviert und dann werden sie zerbrochen.

Tradition und Moderne koennen in Japan ganz wunderbar miteinander leben, friedliche Tempelanlagen, glaesernde Einkaufsstrassen, Kimonos und skinny-Jeans praegen das Strassenbild der 1.4 Millionen Metropole.

Kyotos Touristenattraktion Nr. 1: Der Goldene Pavilion, mit Chris Bruder S. und zwei japanischen Schuelern in der  Schuluniform
Ueber 1600 buddhistische Tempel gibt es in Kyoto, Raeucherstaebchen werden vor dem Eingang angezuendet und der Qualm wird zur Heilung auf schmerzende Koerperstellen gewedelt oder auf Kinderkoepfe, damit sie schlau werden.
Fuer 50 Cent kann eine Kerze, fuer jeden speziellen Wunsch angezuendet werden, unser Licht brennt „fuer das Wohl der Familie“
Gion- Kyotos Ausgeh-Touristenviertel, indem man mit ganz viel Glueck, eine von 1000 in Kyoto lebenden Geishas sieht.
Arashiyama im Bambuspfad- Traditionelle Kimonos
Eine unausgesprochende Regel: Der Hoeflichkeits-Sitzabstand

 Japans Fashion mixt zusammen,  erfindet sich neu, ein ganz eigener Stil, der unbeeinflusst seinen eigenen Weg zu gehen scheint. Grazile Frauen mit rotgefaerbten Wangen, Duttfrisuren und farbenfrohen Kleidern und Maenner mit blondgefaerbten Haaren, die immer orangegelb aussehen.

In Kyoto traegt kein Japaner eine Sonnenbrille, aber immer einen Schirm -, im Nieselregen, zum Posieren fuer Fotos oder unter der Sonne.Auch bei groesster Hitze tragen Radfahrer lange Handschuhe, denn weisse Haut ist eines der wichtigsten Schoenheitsmerkmale, genau wie fettfreie Haut, ganze Shops widmen sich der oeligen Problemzone und verkaufen „Das Geheimnis japanischer Schoenheit“ ein transparentes Papier, mit dem man sich die Nase abtupft.

Nur die Nebenwirkungen des Zigarettenkonsums auf porenreine Haut werden kollektiv ignoriert. Der Preis pro Schachtel wurde in den letzen Jahren verdoppelt, ist aber im internationalen Vergleich immer noch gering: 5 Euro pro Schachtel, ohne grausame Bilder und grossgedruckte Warnhinweise. Leuchtende Zigarettenautomaten blinken einladend in den Strassen und selbst in Restaurants kann geraucht werden, nur Zigarettenstummel sehe ich aeusserst selten auf den blitzsauberen Boeden. Typisch Japan, eben.

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