Vilcabamba ist beruehmt fuer seinen hohen Anteil an Ueber-100-Jaehrigen, ich treffe nicht einen Einzigen von ihnen, aber alte Freunde aus Argentinien. Martin und Augustin.


Es ist schoen, wieder in einer Gruppe zu reisen, sich auf Menschen einzustellen und sich kennenzulernen. Naehe zulassen, vertrauen, teilen.

Wir leben in einem sehr alten Haus, mit hunderten Zimmern, riesigen Kuechen einem Garten, Zitronenbaeumen, Bergen, Grossraumkuechen, eigensinnigen Kombinationen von Rauemen, Moebelstuecken und Wandfarben – gespenstisch und menschenleer, doch wir fuellen die Raeume mit Leben, Musik und dem Geruch von Bratenfett.


Wir tuckern gemeinsam mit dem Bus zur peruanischen Grenze, 6 Stunden die gefaehrlichsten Bergstrassen hinauf, aber eine  Landschaft, die so atemberaubend schoen ist, dass ich meinen Blick kaum von ihr wenden kann. Ecuador und ich gehen in Frieden auseinander. Nach 2 Monaten.


Zwei Grenzbeamte empfangen uns mit einem breiten Laecheln, sichtlich erfreut ueber die wenigen Touristen, die hier die Grenze ueberqueren wollen. Eine Grenze, die als Grenze kaum zu erkennen ist, hier moechte ich wohnen.

Eingebettet zwischen Fluessen und Bergen, ausser uns noch eine Handvoll Rucksackreisende. Gelassenheit liegt in der Luft.


Es folgen stundelange Weiterfahrten auf lehmigen Strassen und ich versuche die Unterschiede zu sehen. Diese fazinierende Grenze, die zwei Laender trennt und diese grenznahen Gebiete, in denen alles verschwimmt und du eigentlich kaum Unterschiede siehst –  eine vermischte Nation.

Einige Dinge fallen einem offensichtlich ins Auge, Dinge, die man in ein paar Tagen nicht mehr bemerken wird. Es ist dreckiger als Ecuadors Sueden, viel Mototaxi-Gehupe und eine Muschel in der Mittagssuppe.


Wir reisen kilometerweit durch Perus Norden, um einen Geldautomaten zu finden, schlafen in billigen Hotels und erreichen nach drei Tagen endlich den zentralen Busbahnhof, endlich koennen wir in alle Richtungen des Landes aufbrechen

Weiterreise-Stimmung liegt in der Luft, wir sind eine gute Gruppe, wir haben viele Tage, Zimmer und Busfahrten zusammengeteilt –  doch ich kann meine innere Stimme nicht ignorieren, sie schreit zu laut.

Sie schreit, obwohl in 30min der gemeinsame Bus Richtung Trujillo abfaehrt, die naechste Stadt am Meer. Sie schreit, sie will in die entgegengesetzte Richtung fahren. Sie schreit, ich soll mich gegen die Gruppe und fuer mich entscheiden.

Ich gebe nach, spreche laut aus, was ich denke und dann geht alles ganz schnell.
Ueberraschung, Verabschiedung und ein neues Busticket. 10 Minuten spaeter sitze ich allein in einem dunkelblauen Plueschsitz, uebermannt von mir, meiner Stimme und meiner Entscheidungsfaehigkeit.

Von dem Komfort einer Gruppe, allein in einen Nachtbus, allein in einem Land, das mir noch so fremd ist.  Mein Herz schlaegt bis zum Hals, meine Wangen gluehen, Ende und Neuanfang.  Allein in den peruanischen Dschungel.

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