Draussen ist es stockfinster, ab und zu blenden mich grelle Scheinwerfer und ich habe Muehe die Zigarettenasche geschickt durch den Fensterschlitz fliegen zu lassen. Es ist schoen, den Mond durch ein Panoramafenster anzusehen, ein bisschen Truckerfeeling einzuatmen und durch die Stille der Nacht zu fahren.

Ich sitze zwischen einem dicken Busfahrer, Carlos,  und einem duennen Busfahrergehilfen, Jesus. Mittelplatz in der Fahrerkabine, weil wir seit 7 Stunden unterwegs sind und ich hier freundlicherweise rauchen und in die Busfahrerwelt eintauchen darf.

Wir tuckern steile Bergstrassen hinauf, Carlos und Jesus erzaehlen mir von ihren Familien, ihrem Land und ihren Busabenteuern. Sie haben so eine angenehme bodenstaendige Art, eine glatte Nichtraucherhaut mit rosigen Wangen und sie sind zufrieden mit dem, was sie haben.

Wir erreichen den Busterminal von Cuenca weit nach Mitternacht, meine Schritte schallen durch die schmalen Gassen, ueberall Kopfsteinpflaster, eine Altstadt, Kirchen und eine flackernde Strassenlaterne.

Es ist still und kalt, in der Ferne rauscht ein Fluss.

In manchen Staedten musst du die schoenen Ecken suchen, in Cuenca bist du immer mittendrin. Eine bezauberndes Staedtchen, selbst bei Nacht.  Durch Zufall lande ich in dem schoensten Mehrzimmer meiner Reise , dunkle Holzbetten, karierte Wolldecken, schneeweisse Bettwaesche und einem Balkon, von dem man in die Fenster der kleinen Restaurants schauen kann.

Zivilisation fuehlt sich gut an, ich laufe in das kleinste Restaurant, 4 Tische und 5 Argentinier, die den Laden fuer ein paar Monate zusammen improvisieren.  Argentischer Rotwein – Viejo Vineda  – tiefrot, wuerzig, handwarm mit einem suessen, schwarzen Johannissbeeraroma und der besten selbstgebackenden Pizza seit sehr langer Zeit.

Ich bin gluecklich, werde die naechsten 5 Tage jeden Abend das gleiche bestellen und verhelfe der Thunfischpizza Teil der Speisekarte zu werden.

Tagsueber liege ich auf weichem Moos am Fluss, streife ueber Maerkte, auf denen die Karotten genauso so suess schmecken, wie bei meiner Oma im Garten. Frische Kamille und Pfefferminze haengt in dicken, duftenden Buendeln ueber mir und die Marktfrauen preisen lautstark ihre Mittagsgerichte an. 


Ben ein deutscher Lehrersohn zieht in mein Zimmer, komplett in Funktionskleidung, belesen mit allen Fakten des Reisefuehrers, er hat immer einen Plan und verschenkt keinen Tag.

Wir maschieren 5Stunden durch den Cajas-Nationalpark, der mir immer als rot-gelber Maerchenwald in Erinnerungen bleiben wird.  In Nationalparks weiss ich nie genau, was mich erwartet, das Spektrum zwischen organisierten Wegen und freier Wildnis ist breit. Heute haben wir freie Wildnis.


Keine Strassen, keine Haeuser, keine Menschen, sonnengelbe Buesche, Seen, Fluesse, Berge und der rote Wald, in dem sich die Baeume so stark verzweigen, als wollen sie einem den Weg versperren. Meine Fingerspitzen streichen ueber die knorrigen Staemme und die Baumkronen stecken ihre Koepfe zusammen, als wuerden sie ueber die Eindringlinge reden.


Ben hat tatsaechlich ein Pumpernickel aus Deutschland im Gepaeck, ich werde wohl nie wieder diesen Genuss bei einem Bissen Pumpernickel empfinden, echtes schwarzes Brot. Ein echter deutscher Geschmack. Manchmal bin ich so stolz auf dieses Land. 

Wir spazieren mit einer Lama-Famile eine Landstrasse entlang und trampen uns auf die Ladeflaeche eines Kleintransporters durch die Berge.

Ben ist ein notorischer Besserwisser, bei jeder Kleinigkeit beleidigt und selbst wenn er sich entspannen will, ist er mit irgendwas beschaeftigt. Wir sind einfach zu gleich.

– und so zieht Ben weiter nach Zeitplan und ich ziehe weiter in das Dorf der 100jaehrigen, um das Raetsel des Alters zu loesen.

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