Ecuador: Fremdtrinkende Babies, ein deutscher Kaffeeklatsch, vergroesserte Poren, kaempfende Lungen, das Tropenhaus in Muenchen, das Quarken der Froesche, das Zirpen der Grillen, das Zwitschern der Voegel, das Bruellen der Affen, einen Regen, den es in Deutschland nicht gibt, zwei schwarze Ratten und ein weissbesticktes Kopfkissen.

Unsere „Indenous-Kommune“ hat sich dem Tourismus sanft geoeffnet und fuehrt seit einem Jahrein oekolgisches Naturreservat, ein Eco – village. So ist jeder Weg, jede Bruecke, jedes Haus, jedes Bett und jeder Stuhl aus Naturmaterialien gefertigt. Eine gute Energie durchstroemt jeden Winkel des Anwesens – mit ausnahmslos weiblichen Besitzerinnen – ein Familien-Clan.

Sie haben alle sehr englischklingende Vornamen, eine 30koepfige Grossfamilie, mit mir fremden, aber sehr gut funktionierenden Strukturen.

Diana hat ueber 12 Kinder und verteilt die Aufgaben unter den Kindern. Jedes Kind ist verantwortlich fuer das naechst juengere Kind. Mariah hat die Verantwortung fuer ihren 2jaehrigen Bruder Michael und der ist fixiert auf seine Schwester, wie wir es nur von einer Mutter-Kind Beziehung kennen. Koerperkontakt ist sehr wichtig und so werden die Kleinen den ganzen Tag in einem Leinentuch durch die Gegend getragen. Keine leichte Aufgabe fuer eine 7jaehrige.

Die Mutter mit der meisten Milch in der Brust, bleibt im Haus und stillt alle Saeuglinge, in diesem Fall ist es die 22-jaehrige Priscilla mit drei weiteren fremdtrinkenden Babies ihrer Schwestern und Cousinen.


Die anderen Frauen stehen am Morgen in der Kueche, klettern mittags aufs Dach, um neue Palmenwedel zu verweben oder fertigen am Nachmittag – Artesania-an. Landestypisches Kunsthandwerk – in diesem Fall Roecke und Bikinis aus winzigen Samen.

In einem Rock steckt der Arbeitsaufwand einer Woche. Verkaufspreis: 40$.

Sie zeigen mir stolz ihre Ketten, Ohrringe und Armbaender, sie machen immer alles zusammen, sie gackern miteinander, wie bei einem deutschen Kaffeeklatsch. Sie sind gluecklich und haben sich mit ihrem Touristendorf eine solide Einnahmequelle geschaffen.

Dieser Platz ist wundervoll, wie die Kulisse eines Zeichentrickfilms, Menschen die Zeichentrickfilme produzieren nehmen LSD oder sind an einem Ort wie diesem. Alles ist ueberdimensional gross, die Orchideen bluehen in kraeftigen Rottoenen und ueberragen mich um einen Meter. Ich bin wieder im tropischen Dschungel und das 1.Mal seit Minca bin ich wieder ergriffen von dieser Schoenheit.


Es ist schwuel, feucht und heiss. In Quito konnte ich aufgrund der Hoehe nur kurze Atemzuege machen, hier wird die Atmung flacher, denn meine Lungen kaempfen mit der Hitze, die Poren vergroessern sich, die Haut brennt.

Das hier ist, wie im Tropenhaus in Muenchen stehen, nur 10x lauter. Das Quarken der Froesche, das Zirpen der Grillen, das Zwitschern der Voegel, das Bruellen der Affen mischt sich mit dem Plaetschern des Bachs hinter meinem Strohhaeuschen.

Eine Uebernachtung fuer 8 Euro und wenn ich einen Fisch bestelle, wird er mir aus dem Bach gefangen.


Es faengt an zu regnen, ein Regen, den es in Deutschland nicht gibt. Sehr viel Wasser wird in den naechsten Stunden auf die Erden prasseln, es donnert, als wuerde die Welt untergehen und zwei schwarze Ratten rennen meine Zimmerwand auf und ab. Ich lege mich auf das weissbestickte Kopfkissen und freue mich ueber die Regenzeit, die meisten Touristen sind verschwunden und ich komme gerade wieder an.

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