Ich entschliesse mich Quito zu verlassen, um der Natur wieder naeher zu sein, mein ecuadorianischer Nachbar Amal, braucht Abstand von seinem kolumbianischen Lover und so sitzen wir im super-modernen Terminal, ein klinisch sauberer Platz inklusive Wifi und essen in Oel schwimmende Eier.

Der leuchtend orangefarbende Bus wird uns die naechsten 6 Stunden nach Tena bringen – wir fahren von den Anden in den Oriente. Ein breiter Regenbogen steht zwischen den kahlen riesigen Bergen, eine einsame Landschaft ohne Doerfer und Staedte.


Neben uns sitzt eine alte Frau auf einem Plastikstuhl mit einem gackernden Huhn in ihrer Tasche, vor ihr liegt ihr Enkelkind auf dem Boden und uebergibt sich in eine kleine Plastiktuete.

Ein suesslich-saurer Kotzgeruch erfuellt den Bus, der sich langsam die steilen Bergstrassen hinaufschiebt. Es ist dunkel als wir Tena erreichen, unzaehlige Strassenverkaeufer grillen Huehnchen auf offenem Feuer. Wir haben genug von der Stadt, wollen keine Strassen und Autos mehr sehen.

Wir steigen ins naechste Taxi, um unser Endziel Misualli zu erreichnen, ein kleiner, verschlafener Ort, eingebettet zwischen zwei Fluessen im suptropischen Klima. Die Frau auf dem Plastikstuhl sagte mit verschwoeririschem Unterton: In Misahualli gibt es Anakondas.

Wir haben Misualli nach folgenden Kriterien ausgesucht: „verschlafen“ „Paradies fuer Vogelbeobachter“ und „keine EC-Automaten“ – eine gute Entscheidung.

Wir beziehen ein riesiges Zimmer, alles ist aus Holz, wir fletzen uns in die Sessel der kleinen Balkone und hoeren schweigend den Froeschen zu, die um uns herrum quacken. Endlich wieder in der Natur, nach so vielen Aufenthalten in Staedten habe ich fast vergessen, was ich vermisste.

Die Bettwaesche ist in sanften Farben aufeinander abgestimmt, im Vergleich zu Quito fuehlt sich hier alles so sauber an. Amal daempft das Licht mit seinem Unterhemd und befestigt es mit kleinen gehaekelten Blumen. Ja er ist ein Kuenstler, immer ein Auge fuer Details und ein harmonisches Gesamtbild. Mit jedem Atemzug entfernt sich die ecuadorianische Chill-Out Musik aus seinem Computer, ich schlafe im Dschungel ein.

6 Stunden spaeter wache ich vom turbulenten Treiben des Schulhofs gegenueber auf, Kinder in blau-weissen Schulinformen entfliehen der beissenden Morgensonne. Wir laufen zum Fluss, am schattigen Strand putzt eine Affenmama ihrem Baby die Ohren sauber. Ueberall Affen, sie springen zwischen den Aesten hin-und her und sind ein bisschen zu sehr an die Anwesenheit von Menschen gewoehnt. Sie naehern sich nicht schuechtern, sondern greifen alles an, was moegliches Futter in der Tasche hat.


Amal berichtet mir mit leuchtenden Augen von seinem Dorfausfllug, er habe eine Indegenous-Kommune gefunden, in der wir wohnen koennen. Klingt vielversprechend. Wir satteln unsere Rucksaecke und laufen durch die gluehende Mittagssonne. Keine Autos mehr, ein breiter Sandweg umgeben von riesigen, tropischen Baeumen. Handgrosse Schmetterlinge schlagen ihre leuchtend blauen Fluegel durch die Luft, die Hitze laesst alles um uns herrum in einem flimmernden, nebeligen Licht erscheinen. Wir sind nur noch wenige Schritte davon entfernt in einer Kulisse, wie bei Alice im Wunderland , zu leben.

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