Unser Bus tuckert 9 Stunden durch gruene Berglandschaften, bevor wir die Grenze nach Ecuador erreichen. Maenner in dreckigen Hemden und ungepflegten Baerten stehen mit dicken Dollarbuendeln in der Hand: „Cambio, Cambio!“ – die letzte Chance unsere restlichen Pesos zu einem schlechten Kurs zu tauschen.

Ich blicke lange auf meinen Ausreisestempel, jetzt ist es also soweit, ich verlasse Kolumbien, nach einer 5monatigen Reise von Nord nach Sued, unzaehligen Portionen von Reis und mit einem wunderbaren Mann an meiner Seite.


Eine kurze Steinbruecke trennt Ecuador von Kolumbien, ich greife nach Chris‘ Hand und wir legen die wenige Schritte so langsam wie moeglich zurueck.

In meinem Kopf vermischen sich die Bilder von Bergen, dem karibischen Meer, Minca, der Wueste, dem Regenwald, Flamingos und all den wunderbaren Menschen, die ich treffen durfte. Ich drehe mich nicht um, ich schaue nach vorn, ich schaue nach Ecuador.

Ein Land, das wir bisher nur aus unserem Reisefuehrer kennen und sich jetzt vor uns ausbreitet, mit all seinen verschiedenen Moeglichkeiten, einen Weg einzuschlagen.

Wir entscheiden uns fuer den schnellsten Weg und der fuehrt uns 3 weitere Stunden im Bus nach Otavalo – beruehmt fuer seinen traditionellen Samstagsmarkt. Wir sitzen unter blauen Neonlichtern, froesteln im Zug der Klimaanlage und blicken erwartungsvoll in die Dunkelheit der Nacht.


Das kleine Staedtchen liegt bei unserer Ankunft bereits im Tiefschlaf, einige Maenner leeren die letzten Bierglaeser und die fuelligen Marktfrauen wenden die letzten knusprigen Fleischstuecke im heissen Fett der riesigen Pfannen.

Wir geniessen den Kompfort von guten Matrazen, heissen Duschen und einem Balkon, von dem wir das Treiben auf den Strassen beobachten koennen.

Otavalo geht es gut, Tradition und Moderne scheinen sich gegenseitig zu befruchten, dicke Neuwagen schieben sich durch die schmalen Gassen, vorbei an traditionell gekleideten Indegenous.

Frauen in schneeweissen Blusen und breiten Puffaermeln haben ihre dunklen Roecke hoch um die Taile gebunden. Ihre goldene Perlenketten, die viele Male um den Hals gewickelt sind, glaenzen im Sonnenlicht. Die schwarzen Haare sind zu langen Zoepfen gebunden, die dann mit bunten Baendern umwickelt werden. Alles leuchtet.

Der beruehmte Markt ist dagegen weder besonders originell noch exotisch, das bunte Treiben in der Freitagsnacht ist viel interessanter, dann wird ein Rummel aufgebaut, kleine otavalenos drehen ihre Runden in Karusells und beissen in glaenzend- rote Brataepfel, die Autoscheiben werden heruntergekurbelt, die Anlagen werden bis zum Anschlag aufgedreht und es folgen unzaehlige Prestige-Runden um den Marktplatz.

Jeder ist auf den Beiden, um sich auf den morgigen Touristenansturm vorzubereiten. Die besten Plaetze werden von Familienmitgliedern reserviert, riesige Platikbeutel werden auf schmalem Schultern getragen und erste Plastikplanen werden gespannt.


Wenige, aber coole Bars oeffnen ihre graffitibespruehten Tueren und vereinen trendige Otavalenos und Reisende aus aller Welt. Wir lassen uns einfangen von der Freitagabend-Energie und verbringen amuesante Stunden in einer Gruppe aus Chilenen und Ecuadorianern, einem Barmann, der aussieht wie John Lennon und einem Franzosen, der absolut keine Ahnung hat, wie man ein Quiz moderiert.

Das beste Mittel, um den Kater am naechsten Tag zu bekaempfen, ist ein deftiges Mittagessen auf dem Food-Market – wir schlendern durch die Marktstrassen, goldbraune Schweinekoepfe glaenzen, als haette jemand sie mit Haarlack eingesprueht, eine robuste Senora greift beherzt in alle Toepfe und fuellt uns Reis, Gemuese und Chili-Sauce in gelbe Plastiktueten – fuer 0,50 Cent haben wir selten so gut gespeist.


Es gibt bisher nichts auszusetzten an Ecuador und ich habe mir fest vorgenommen nicht zurueckzublicken, aber es liegt wohl in der Natur des Menschen, Dinge immer vergleichen zu muessen, um sie besser einordnen zu koennen.

Die Ecuadorianer sind kleiner, haben breitere Wangenknochen, wir zahlen jetzt in Dollar, der Muellwagen schiebt sich mit einer Eiswagen-Melodie durch die Strassen, wir bekommen einen richtigen Kaffee und manchmal Kartoffeln, anstatt immer nur Reis.

Ich vermisse die Herzlichkeit, die uns in fast jedem kolumbianischen Ort empfangen hat, doch schon in wenigen Tagen werden wir zwischen warmen Milchkannen sitzen, durch die Anden tuckern und von einem ecuadorianischen Herz, namens Colombus, empfangen – denn jedes Land kann dir jederzeit etwas Wunderbares geben.

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