Kolumbianische Medaillen, Weed-Points in L.A und ein Kreuz zum Abschied.

Valledupar: Die 16 Schulkids sind entzueckend, zweimal am Tag verlassen sie das Hostel, um stolz mit ihren Medaillen um den Hals zurueckzukehren. „Felicitationes, Vacano, Chevere“ loben wir anerkennend jeden Einzelnen.

Doch wenn ich in die traurigen Gesichter der „Verlierer“ gucke, frage ich mich, was bringt die Wettbewerbsfoerderung in der Schule? Ein Stueck Plastik teilt Menschen in Gewinner und Verlierer. Der Staerkere ueberlebt – funktioniert es wirklich so einfach?

Sie naehern sich langsam an, stellen neugierige Fragen und erzaehlen uns von ihrem kolumbianischen Teenagerleben. Sie wollen Bildung, sie wollen Sprachen lernen und wenn das Kolumbiens‘ naechste Generation ist, dann ist es gut um Kolumbien bestellt.

Wir teilen ein paar Tage mit einer schraegen Clique aus L.A, dessen Oberhaupt Eddie ist. Eddie ist ein Buddy, den man sich in jeder Stadt wuenscht. Ein in L.A lebender Kuenstler, seit 13 Jahren nikotinfrei, seit 7 Jahren auch ohne Koffein, aber seit zwei Jahren wieder dem Alkohol zugeneigt. Er schwaermt vom Marihuana-Staat Kalifornien, seinen Weed-Points, (kaufe 5 g und bekomm 1 g gratis) und haelt uns tagelang mit wilden Geschichten bei Laune.

Wir schieben unsere Reise in die Mitte des Landes lange vor uns hin und verbringen ein paar Tage zu viel in diesem Hostel, manchmal schlaegst du auch einfach nur Zeit tot.

So stehen wir mit gepackten Rucksaecken und verabschieden uns von der bildschoenen Yvonne, die uns zum Abschied mit einem Kreuz segnet. Vor uns liegen 16 Stunden Busfahrt nach Medellin, die einst als „gefaerhlichste Stadt der Welt“ beschrieben unter dem Volkshelden Pablo Escobar und seinem beruehmten Medellin-Kartell.

Ich wache morgens um 5: 00 Uhr auf, liege verschlafen auf Chris Schoss und ziehe die dunkelblauen Bus-Gardinen auf. Eine weite Berglandschaft mit verzweigten, kleinen Fuessen und gruenen Wiesen begruesst mich in der Morgensonne.

Medellin ist eine echte Stadt, mit den beruehmten Gondeln, die die Berge hinauffahren und einer U-Bahn, die lange Schlangen verursacht, weil es keine Automaten oder Tageskarten gibt. Wir wohnen in verschiedenen Hostel und erleben, den wohl typischen Kolumbien-Reisenden. Viele Partys und noch mehr schlaflose Naechte.

Wir finden nicht wirklich unseren Platz in dieser Stadt, vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir die gruenen Berge der Sierra Nevada und die Herzlichkeit der Landbevoelkerung mehr liebten, als dieses massgeschneiderte Backpacker-Programm.

Etwas naiv, glaubten wir wirklich, ein Hostel in dieser Stadt eroeffnen zu koennen, aber Medellin ist nicht Minca und in Kolumbien sind verstaendlicherweise nicht alle Plaetze gleich.

Wir verzichten auf die Pablo-Escobar-Tour bei der man makaberer Weise am Ende seinen Bruder treffen kann, der heute verarmt im Rollstuhl sitzt. Als wir vor seinem Grab stehen, erzaehlt uns ein sehr alter Kolumbianer, dass er jeden Tag zum Grab kommt, denn Pablo war ein guter Mann und dann fragt er uns, ob wir einige Pesos fuer ihn haben, denn heute sei ja auch alles schwieriger geworden.


Schwierig ist Medellin fuer Touristen gar nichts mehr, eine sichere Stadt mit allen Annehmlichkeiten. Wir schlendern durch belebte Einkaufsstrassen mit sehr maskulinen Schaufensterpuppen, und stark operierten Testimonials auf Werbeplakaten.


Doch irgendwie sind wir keine Stadtmenschen mehr und so zieht es uns weit nach oben in die Berge, in ein kolumbianisch – deutsches Hippiehaus. Danke Medellin, dass wir uns bei dir sehr sicher gefuehlt haben, aber doch etwas gelangweilt waren.

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