Nach einer letzten Nacht in Uribia, in der wir uns ein Hotel goennten und trotzdem nachts einen Eimer in einen Brunnen warfen, um die Toilette zu benutzen, verlassen wir die Wueste.

Als erstes ein bewaffneter Ueberfall

Wir fahren wieder in ein mildes, sonniges Klima, nach Valledupar, dabei passiert uns ein fast folgenschwerer Fehler. Zwischen vielen hektischen Taxifahrern erkundigen wir uns nach dem guenstigsten Transport und sitzen wenige Minuten spaeter in einer vollgestopften Klapperkiste – immer entlang der venezualischen Grenze. (eigentlich soll man einen Umweg fahren)

Es herrscht eine unerklaerliche, angespannte Stimmung im Taxi, alle Passagiere blicken staendig hektisch, nach rechts und links. Ich erkundige mich bei meinem dicken Sitznachbarn, warum er so nervoes ist. „Die naechste Stunde fahren wir in einer polizei-freien Zone, Ueberfaelle sind an der Tagesordnung“

Noch ehe ich Zeit habe darueber nachzudenken, spielt sich vor uns eine filmreife Szene ab, ein Auto steht quer auf der Fahrbahn, alle Insassen stehen kreidebleich daneben und die Boesen verlassen fluchtartig das Geschehen. Ein bewaffneter Ueberfall und wir fahren einfach daran vorbei – Anhalten waere zu gefaehrlich.

Alles geht so schnell, wildes diskutieren im Taxi, ich habe panische Angst, grabe meinen Kopf in Chris‘ Schoss und weine, wenn sie uns, weisse Puenktchen, hier im Auto sitzen sehen, sind wir doch die Naechsten. Ich verabschiede mich gedanklich schon von meiner Kamera und meinem Computer.

Die naechsten Stunde schleicht wie eine Ewigkeit vorran und dann endlich die naechste Stadt, endlich wieder gruene Baeume, alle Fahrgaeste atmen erleichtert durch – willkommen in Valledupar.

Endlich wieder Ganzkoerperspiegel

Valledupar steht (noch) in keinem Reisefuehrer, was nicht mehr lange dauern wird, denn dieses kleines Staedtchen, inmitten von Bergen, einem angenehmen Klima, einer entzueckenden Architektur, Menschen die alle eine Zahnspange tragen und sehr gerade Zaehne haben ist mehr als ein Zwischenstop auf dem Weg in die Mitte des Landes.

Wir finden ein wunderbares Hostel, wie massgeschneidert fuer uns, genau das Richtige, fuer die Tage nach der Wueste. Ein verschachtelter Innenhof, ein Kraeutergarten, Freiluftduschen, ein Zitronenbaum, Wi-Fi, ein Wohnzimmer mit Riesen-Sofa, moderne Kueche, endlich wieder Ganzkoerperspiegel, Haengematten, kostlenlose Fahrraeder und eine herzliche, junge Crew.

Wir geniessen unseren neuen gewonnenden Luxus in vollen Zuegen, wir koennen wieder duschen, es gibt eine Toilettenspuelung, wir mixen frische, kuehle Saefte, pfluecken uns Zitronen vom Baum, schauen spanische Filme, schreiben einige Artikel zusammen, luemmeln tagelang in der Haengematte und im Internet herrum.

Ich goenne mir den ersten Frisoerbesuch nach einem Jahr und entscheide mich fatalerweise fuer das Vollprogramm. Ich bin guter Dinge, kann ja nicht so schwer sein, ist ja nur Spitzen schneiden.

Doch dann geht der Albtraum los, das Spitzen schneiden ist schnell erledigt, Angelina schneidet meine gesamten Haare auf eine Laenge (was vollkommen idiotisch ist), dann zieht sie meine Haare mit einer kratzigen Buerste schmerzhaft in die Laenge und das grosse Finale des Vollprogramms endet mit einem viel zu heissen Glaetteeisen auf meinem viel zu feuchtem Haar.

Wie immer beantworte ich die Frage, „wie es aussieht?“ mit „alles bestens“ (was soll ich denn auch jetzt noch sagen?) und verlasse den Frisoer mit heissen, sproeden und glatten Haaren.

Ich hatte so schoene Wellen, gesund und glaenzend – das naechste Jahr werde ich keinen Frisoer mehr betreten.

Elsi, die immer froehliche Reinigungskraft und gute Seele des Hostels versteht es, mich schnell wieder aufzuheitern und erzaehlt mir von ihrem Lieblingsmusiker, der so viel Kokain in seinem Leben gezogen hat, dass ihm die Nasendecke abfiel. Ok, ich fuehle mich etwas besser, meine Haare wachsen nach.

Der Himmel faerbt sich hellblau und pink und wir crusen mit den Fahrraedern ueber das breite Kopfsteinpflaster von Valledupar, sitzen mit Kolumbianern im Park, die mit Haenden und Fuessen kommunizieren und uns, wie immer, so herzlich empfangen, als wuerden wir uns seit Jahren kennen.

Eigentlich wollten wir relativ zuegig weiterreisen, doch dann macht uns eine handgezeichnete Karte der Umgebung Lust auf mehr, rund um Valledupar gibt es einige Indegenous-Doerfer zu erkunden und so satteln wir unser Zelt und reisen wieder in tourismusfreies Land, in dem wir nicht immer willkommen sein werden.


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