Palomino ist ein Durchfahrtsort, schwere Lastwagen und Busse brettern die breite Straße entlang und halten für einen schnellen Imbiss an einer der unzähligen Tiendas. Die Menschen in Durchfahrtsorten sind nicht besonders freundlich, es ist ihnen auch kaum zu verübeln, wenn jede Minute eine andere Touristengruppe für einen kurzen Stopp Einzug hält.


Der wahre Schatz Palominos sind die grünen Berge der Sierra Nevada und die kilometerlangen Strände, doch dafür nehmen sich die meisten Touristen keine Zeit.

Wir haben alle Zeit der Welt, planen zu zelten und laufen barfuß einen schmalen Palmenweg entlang. Der Straßenlärm rückt mit jedem Schritt in weite Ferne, gelegentlich steht ein Pferd am Wegesrand und blickt verstohlen zu uns her rüber.

Unser Zelt steht zwischen einer Palme und einem Guanababaum, der eine melonengrosse, stachlige Frucht trägt. Ein kleines Stücke Natur, ein kleines Stück Idylle, ein großes Stück Freiheit.

Ich werfe  einen Wassereimer an einer langen Schnur in den Brunnen, zum Duschen reichen zwei Eimer. Das Badezimmer besteht aus kreisrund, zusammengebundenen  Palmenwedeln, über den sauberen Fliessboden krabbelt ein dicker Krebs und von oben brennt die heiße Sonne auf mich
hinunter.

Wir laufen zum Strand, der so herrlich wild und touristisch unverdorben ist.  In feinem Sand liegend blicken stundenlang auf riesige Wellen und schmecken die salzige Luft.

Nach so langer Zeit in den Bergen haben wir fast vergessen, wie schön der Ozean ist.

Pelikane fliegen im Gleitflug über das Meer, immer einige Zentimeter über den Wellen, auf und ab. Sie wirken wie aus den Seiten meiner Kinderbücher entsprungen, in denen ich sie immer bewunderte und jetzt fliegen sie einfach an mir vorbei. Das Reisen schenkt einem unvergessliche Momente, die manchmal so klein erscheinen und doch so einprägsam sind.


Zelten bedeutet aber auch auf liebgewonnene Alltagsgegenstaende zu verzichten, es gibt keinen Kühlschrank und so müssen wir unsere Lebensmittel täglich frisch einkaufen.
 
Alles zusammen gibt es nie, Avocados, Eier, Fisch, alles ist nur in verschiedenen Läden erhältlich. So stampfen wir stundenlang durch den lehmigen Boden von Tienda zu Tienda, warten, plauschen, bestellen und warten wieder.


1kg frische Gambas für 10$ in der Pescaderia (Fischgeschäft)

Ich mag das einfache Leben, wir kochen jede Mahlzeit über offenem Feuer, dass von dicken Truck-Reifen zusammengehalten wird, wir essen, umgeben von Fröschen und Grillen, wir liegen unter Palmen, schauen in den sternenklaren Himmel und schlafen im subtropischen Klima mit dem Mondaufgang ein.


Nach einer Woche verlassen wir Palomino, um die nördlichste Spitze Kolumbiens zu erreichen und auf der anderen Seite wieder zurückfahren –  wir ahnen noch nicht, wie schwierig und unglaublich intensiv das Reisen ab jetzt wird – Eine Reise in die trockene Wüste Kolumbiens.

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