Ich habe auf Reisen nie laenger mit jemandem zusammengewohnt, als mit Chris. – 4 Wochen in unserem Haus in Minca und nun haben wir uns dazu entschlossen, gemeinsam zu reisen. Mit einer anderen Person  zu reisen ist anders – und wir sind Mann und Frau (und in unserem Fall ABSOLUT verschieden) – kleine Meinungsverschiedenheiten, Missverständnisse und Konflikte sind also vorprogrammiert. (…und ihr kennt mich!) – aber wir haben die Fähigkeit aus Sch…. Gold zu spinnen und so nutzten wir all diese Reiberein um diese Artikel zu schreiben. Wir schreiben über das gemeinsame Reisen, über dieselben Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven – aus der Perspektive von Mann und Frau. Unsere Reise führt uns  an die nördliche Küste Kolumbiens, das karibische Meer auf der einen Seite und die Berge der Sierra Nevada auf der anderen.  Juni 2011, wir erreichen unser neues Ziel getrennt voneinander, einen Tag zeitversetzt und das ist der Moment, indem wir aufeinanderprallen. Autoren: Chris Cooke und Jenny Jakobeit Ich habe Palomino gestern erreicht, Jenny brauchte einen Tag mehr Zeit, um Abschied von ihrem geliebten Minca zu nehmen. Ich freue mich darauf mit ihr zu reisen, wir hatten eine großartige Zeit im Haus, aber man weiß ja nie, Frauen sind komplizierte Wesen. Ich habe ein schönes Hostel gefunden und ihr eine genaue Anfahrtsbeschreibung geschickt, es sollte also alles passen. Ich erreiche Palomino im Dunkeln, alles was ich zu tun habe, ist Chris‘ Beschreibung zu folgen. „Überquere die Straße, laufe 100m und du findest das Hostel an einem großen Baum“. Doch, ist das hier wirklich der richtige Ort?  Ich habe mir einen bezaubernden Sandweg vorgestellt, aber was mich hier empfängt, ist eine vielbefahrende Hauptstraße. – ohne Charakter, ohne Charme, eine lauter, dreckiger Durchfahrtsort. Ok, wo ist dieser Baum? In Gedanken sah ich mich bereits wieder im Schatten eines Mangobaums wohnen, aber das hier soll ein Baum sein? Eine traurige, einsame Kreatur erwartet mich – schwer zu erkennen, dass es sich überhaupt um einen Baum handelt– und das i-Tüpfelchen: Er ist nicht mal hier. Willkommen Palomino – Ich vermisse das Haus. Ein  vorbeifahrender Laster reißt mich aus  meinem Haengematten-Gedoese. Ich schaue auf mein iPod, 20:00 Uhr und Jenny ist immer noch nicht hier. Wahrscheinlich kommt sie erst morgen, das gibt mir auf jeden Fall mehr Zeit nach einer komfortableren Unterkunft zu suchen. Ich mag das Hostel, coole Leute, eine Küche,  nicht so viele Regeln und es ist günstig – ein Doppelzimmer + Badezimmer für 5$ pro Person. Nicht schlecht – aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob Jenny es genauso mag. Ich laufe in den Aufenthaltsraum und jemand ruft meinen Namen: Es ist Jenny. „Ein recht schönes Doppelzimmer mit eigenem Bad“ – ich hätte mich gleich fragen sollen, wie er das für 5$ hinbekommen hat. Es hörte sich alles so gut an und aus unerklärlichen Gründen habe ich einen Fernseher erwartet. Natürlich gibt es keinen Fernseher, hier gibt es nicht einmal Elektrizität und als wäre das noch nicht genug: Keine Fenster! (nicht in einer schönen Art, wie in Oscars Haus mit ganz viel Natur, nein hier fühle ich mich wie im Gefängnis). Ein dunkles, kleines, dreckiges Loch. Das einzige, was ich höre ist der Straßenlärm und als wäre das immer noch nicht genug, wir haben kein Wasser! Was zur Hölle mache ich hier? – ich vermisse Minca! Sie vermisst Minca! Ich weiß, weil sie es mir immer und immer wieder erzählt. Es ist schwer zu sagen, was sie über das Hostel denkt, es ist voller als gestern und wir haben einen Stromausfall. Das erste, was sie bemerkte, als ich ihr unser Zimmer zeigte, war das fehlende Fenster. Ok..aber abgesehen davon, scheint alles ok. Das ist soweit Jenny (…) Ok, ich muss dieses Loch verlassen, der Strand ist  nur 10 Minuten entfernt und wir haben eine angenehme Vollmondnacht. Hört sich schön an, nicht wahr? Falsch! In Wirklichkeit ist es das genaue Gegenteil, es ist schrecklich, einfach schrecklich! Der Weg schlammig, dreckig und feucht. Wir laufen jetzt seit über 10 Minuten durch die Dunkelheit und ein Strand ist noch immer nicht in sichtbarer Nähe. Ehrlichgesagt glaube ich, dass er den Weg zum Strand nicht mal kennt, aber natürlich kann er das nicht zugeben. Er ist ein Mann und Männer gehen niemals verloren. Ok, das war’s! Ich habe weder Lust weiterzulaufen, noch zu reden oder den bescheuerten Strand überhaupt noch zu sehen. Ich vermisse die Berge!  Wowowo, wo kommt das auf einmal her? Da spazieren wir in einer Vollmondnacht unter dem Himmelzelt, begleitet von unzähligen Fröschen,  die sich quakend übertrumpfen. Bam! Jenny stampft mit dem Fuß: „Das ist ein beschissener Weg zum Strand“, es scheint als würde sich ihre Laune schlagartig ändern, wie sie das so oft tut. „Wir“ entscheiden schweigend zum Hostel  zurück zu kehren und der Rückweg fühlt sich erdrückend lang an. 12 Stunden spaeter… „Hast du sie noch alle?“ Uh-oh, ich habe es gewagt von Jennys teurer Wasserflasche zu trinken. Seit letzter Nacht haben wir ein kleines Wasserproblem, ich gebe zu, ich habe versäumt einen großen Beutel trinkbares Wasser zu kaufen, aber dann habe ich eine richtige Bombe platzen  lassen. Die Geschichte geht wie folgt: Jenny trinkt nur eine ganz bestimmte Wassermarke (die teuerste). Diese ganz bestimmte Wassermarke  ist allerdings nicht zu finden in Palomino, das bedeutete also: Kein Wasser für Jenny, ich entscheide mich für die billige Marke, welche Jenny nicht gewillt ist zu trinken.“Bist du verrückt geworden?“ Was habe ich jetzt schon wieder gemacht? Sie ist enttäuscht, dass ich ein Wasser kaufe, welches sie nicht trinken kann. Ok, ok, mit ganz viel Fantasie, kann ich verstehen, was sie meint. Wie auch immer, am Ende kauft Jenny Kolumbiens bestes Wasser für mehr als den doppelten Preis . Später laufe ich in den Raum, es ist heiß und ich sehe ihre Wasserflasche auf dem Tisch und trinke etwas davon (…)  Ich glaub‘ es nicht! Ich kann ihn wirklich nicht verstehen – will er mich provozieren? trinkt er wirklich gerade von meinem Wasser? Ich meine, dass hier hat nichts damit zu tun, dass ich grundsätzlich mein Wasser nicht teile – es ist nur so, dass sich Chris nicht im geringsten dafür interessiert, wie sein Wasser schmeckt, also kauft er Kolumbiens billigstes und überall erhältliches Wasser, Brisa. Ein starker Chlorgeruch und Plastikgeschmack, ich werde dieses Wasser mit Sicherheit nicht trinken. Also laufen wir zu fünf verschiedenen Tiendas, um ein Wasser für mich zu finden. Nach diesem Vorfruehstuecks- und Vorkaffee-Stress (!), bin ich jetzt relativ entspannt und glücklich, dass jeder sein Wasser gefunden hat. Natürlich finde ich es immer noch etwas ungerecht, dass Chris für seinen ungesunden Geschmack auch noch belohnt wir und weniger zahlt als ich. Das Reisen hat mich etwas knauserig gemacht, und so habe ich mir nur die kleinste Flasche gekauft, denn ich hoffe immer noch, dass wir bald wieder Wasser haben und ich Tee kochen kann. (der umsonst ist). Die Welt ist wieder in Ordnung, nach dem Frühstück wird es ziemlich heiß, ich bin ziemlich durstig und schaue mich um, wo meine Wasserflasche ist (…) Was!? – das hat er jetzt nicht getan? Hier stehe ich, mit einem lächerlich winzigen Schluck Wasser in meiner Flasche und er sagt (mit halbvollem Mund), „ich sei egoistisch!? Lächerlich! Einige Stunden später kommt das Wasser zurück….Wir entschließen uns zu einem erneuten Strandspaziergang, diesmal schlendern wir fröhlich und ausgelassen den direkten Weg. Es ist ein wundervoller Tag, eine kühle Brise weht von den Bergen herab, große weiße Schäfchenwolken spenden ein wenig Schatten von der brennenden Sonne und in den Straßen des Dorfes herrscht Wochenendstimmung. „Das ist ein wundervoller Weg zum Strand“. Sie braucht nicht mehr zu sagen. Das ist es, wunderschön und bezaubernd – ich laufe barfuß neben Chris, fühle mich etwas schuldig für meine gestrige Unzufriedenheit, vielleicht war ich etwas unfair. Unter großen Bananenblaettern stehen einige Pferde – alles ist so grün und entspannt. Nach 10 (!) Minuten rieche ich das Meer und spüre die frische Brise des Ozeans. Wir laufen durch einen Hippie-Campingplatz und dann erreichen wir: DEN STRAND! – ich fühle mich sofort angekommen, ein kilometerlanger, einsamer Strand – viel natürlicher, als die klassisch schönen karibischen Strände des typischen Touristenwegs. Das ist der Strand, der mich wirklich an zu Hause erinnert. Ich bohre meine Füße in den Sand und mein Blick verliert sich im Meer, das monoton die Wellen an Land spült. ..Es ist großartig zurück am Strand zu sein, besonders an einem echten Strand mit echten Wellen – alles erinnert mich an Neuseeland. Es hat etwas gedauert, aber nach einem etwas schwierigen Start, zeigt uns Palomino sein wahres Gesicht. Ich gebe Jenny ihr Wasser, sie lächelt und sagt mir, „sie vermisse Minca nicht mehr.

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