Der Dorfplatz in Minca liegt in der warmen Morgensonne, Busse gibt es hier nicht und das Taxi fährt erst los, wenn 4 Personen zusammen sind. Ich hoffe ich muss nicht zu lange warten, denn ich habe es eilig. VISA-Verlängerung! – zum 1.Mal,  ich bin aufgeregt.

Es ist 08:30 Uhr, ich esse eine frittierte Teigtasche, die mit einem gebraten Ei gefüllt ist und trinke einen super-süßen Tinto, die typischen kleinen Plastikbecker mit schwarzem Kaffee und so viel Zucker, dass es mir in den Zähnen zieht.  Der Kaffee ist schlecht wie immer, viel Wasser wird mit dem letzten Rest der Kaffeeauslese gestreckt. Armes Kolumbien –  sie kennen keinen guten Kaffee.

Nach 2 Stunden Wartezeit und einem äußerst interessanten Gespräch mit einem Kolumbianer, der mir erzählt, dass Coca-Cola tatsächlich vor Schwangerschaften schütze, erreiche ich mit einer eiskalten Coca-Cola in der Hand (man, weiss ja nie!) Santa Marta, DAS Officina.

Überall offene Garagentore, kolumbianische Fotogeschaefte, die die notwendigen Visa-Unterlagen erstellen.  Ich stehe in mitten von Schleppern, die mich in ihr Garagentor hineinziehen wollen: „Visa, Foto, Seis-Mil-Pesos, Fotokopia, muy barrato, Visa, Visa.“

Passfotos –Machen in Deutschland ist dagegen sehr langweilig.
Ich betrete das erstbeste Geschäft, auf einem kleinen Tisch liegen Bürsten, Wimpertusche und Rouge, in knalligen Pinktoenen bereit. (Es soll doch bitte keiner sagen, wir hätten nicht alles getan, um gut auszusehen!)

Ich schwitze, bürste mir nur schnell die Haare und  posiere vor einer blauen Pappwand. Ein leicht nervöser Fotograf  – wackelt mit einer winzigen Kamera vor mit herum. Kein Stativ, kein Laechel-Verbot, keine Normen für Passfotos.

Ich bin äußerst zufrieden, zahle drei Euro, muy lindo und laufe zum DAS OFFICIA – nur noch 3 Stunden, bis sie schließen.

Ich warte eine weitere  Stunde in einer langen Schlange und erfahre, dass ich 25 Euro zahlen muss, eine Barzahlung ist aber leider nicht möglich. Warum einfach, wenn‘s auch kompliziert geht. Ich muss mit einem ausgefüllten Einzahlungsschein ins nächste  Einkaufszentrum laufen– nur eine bestimmte  Bank ist möglich, ich erwische die Richtige und renne zurück.
Nur noch 1.5 Stunden.

Jetzt  muss ich  3 Mal das gleiche Dokument ausfüllen, und meine Hände in ein schwarzes Pulver tauchen. Meine Fingerkuppen werden uebers  Papier gerollt. Fingerabdrücke abgeben,  fühlt sich komisch an.  

Danach bekomme ich ein weißes Seifenpulver in die Hand geschüttelt, um mir die Hände zu waschen, mit sauberen Händen komme ich zurück und meine  Finger werden noch einmal eingefärbt für die Fingerabdrücke auf einem weiteren Dokument. Hae? Das ganze wiederholt sich drei Mal, schwarze Hände, Hände waschen, schwarze Hände.
Ich muss wieder warten. Nur noch 30 Minuten.

Rechts von mir sitzt ein Münchener, der nicht weiß wann seine Yogaausbildung beendet sein wird, denn „es komme ganz auf seine spirituelle Reifung an“, links von mir ein Israeli, der seine weiten Pupillen mit einer Sonnenbrille zu kaschieren versucht –  und dann strahlt mich endlich eine junge Kolumbianerin an:

Listo, Jenny! (Wir sind fertig, Jenny!) – Geschafft! –  vor 8 Stunden habe ich das Haus verlassen und jetzt habe ich meinen Stempel für einen weiteren Monat in LoColombia. (verrücktes Kolumbien).
Ob ich es in diesem Monat schaffe Minca zu verlassen?

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