Wir bleiben in Minca und mieten zu Dritt ein Haus in Kolumbien.
Wir haben nie aktiv nach Menschen gesucht, die das Haus mit uns teilen,  aber Menschen haben uns  gefunden und sind geblieben.
–  Menschen aus 7 verschiedenen Ländern bilden für einige Wochen eine internationale Wohngemeinschaft –
Ich bleibe vom ersten bis zum letzten Tag und gehe erst, als die letzte Mango gefallen ist.

Teil 1  – Hausbesichtgung, keine Unterschriften und wir sind jetzt die Bestimmer.

Zwischen dem Dorf und Oscar liegt, in der Mitte des Weges,  ein Haus,  umgeben von Kaffeesträuchern und riesigen Bananenpflanzen. Ein kleines, palmenwedel-bedecktes Häuschen, im Schatten eines prächtigen Mangobaums – behangen mit hunderten, sonnengelben handgroßen Früchten und gleich daneben ein überdachtes Hängematten Plaetzchen.


Diese Aussicht in Minca bleibt einzigartig – die Berge der Sierra Nevada, das Karibische Meer und die Stadt Santa Marta – vielleicht sind die Menschen deshalb so gluecklich hier?


Ein kleiner Kraeutergarten mit Lemongras, Pfefferminze, Oregano und wildem Koriander.

Ich spüre, dass ich in diesem Haus leben möchte, monatelang wohnte hier ein englisch-kolumbiansches Pärchen  – jetzt steht es leer, aber was soll ich alleine mit einem Haus?

Nein – ich bin bereit Minca zu verlassen und treffe an meinen letzten Tagen Susi und Philipp, ein österreichisches Pärchen. Wir mögen uns sofort, sie sind Langzeitreisende wie ich und wir sind alle auf der Suche nach mehr, mehr als ein Hostel, mehr als eine Familie, mehr als ein Zwischenstop. Ich erzähle ihnen vom Haus, sie sind begeistert, ich auch, geteiltes Glück ist doppeltes Glück, geteiltes Risiko ist halbes Risiko.

Und ja, natürlich gibt es einige mögliche Risiken.
Mietvertrag, Haftung, Einbruch, Diebstahl, Überfalle? Könnte alles passieren, könnte aber auch sein, dass ich mal wieder zu Deutsch denke.

Ich laufe gegen Mitternacht am Haus vorbei und treffe die Besitzerin. Jetzt oder nie, was folgt ist meine erste Hausbesichtigung. Mariella ist eine sehr alte Dame, die nicht über ihr Alter sprechen möchte, aber die 80 bereits überschritten haben müsste. Sie ist grazil, wie eine Ballerina, ihre Körpersprache ist die einer Künstlerin und ihr Gesicht haette vor 60 Jahren die  Titelseite eines Fashionmagazins schmuecken koennen. Immer einen adretten Haarschnitt, blutrote Lippen, fein gezupfte Augenbrauen – sie könnte mit Stolz ihr Alter nennen.

Meine 1. Hausbesichtigung in einer Vollmond-Nacht in Minca.

In ihrer rechten Hand malt sie mit  einem Räucherstäbchen  feine Kreise in die Luft und im Schein der Kerze  erklärt sie mir das Haus. Ich verstehe nur jedes zweite, spanische Wort,  kläre aber meinen wichtigsten Punkt: Kann ich die Betten vermieten?  – kann ich, alles kein Problem.
Ich bin mir immer noch nicht sicher, habe aber ein sehr gutes Gefühl bei dem Namen Mariella.

Zurück zu Susi und  Philipp: Es kostet uns zwei ganze Tage alle Vor-und Nachteile abzuwaegen.Ich bestehe auf einen zweisprachigen Mietvertrag , den wir auf einer Papierserviette vorbereiten und im Notfall aus der Tasche ziehen koennen.

Unsere Zusage erfolgt telefonisch, wir druecken den Preis nochmal – 2 Wochen, 100 $ pro Person –  wir koennen unser Glueck kaum fassen.

Am nächsten Tag will niemand einen Mietvertrag oder eine Unterschrift sehen. Keine Unterschrift, keine Verantwortung. Eigentlich recht einfach ein Haus in Kolumbien zu mieten.

Wir ziehen ein – zu Dritt und voller Pläne für UNSER Haus.

Endlich eine eigene Kuechen – Susi und Philipp behaupteten am Anfang sie koennen nicht kochen.


Und endlich ein eigenes Bad – viel Mosaik, aber leider wieder kaltes Wasser.

Wir sind jetzt die Bestimmer und feiern unseren Einzug mit dem besten Desert des Dorfes, einem Tres Leches, legen uns auf feuchte, durchgelegene Matratzen und hoffen, dass der Stromausfall bald vorüber geht.


Ich liege unter einem riesigen Palmendach, sehe den Mondaufgang (!) durchs Dachfenster und habe ein Doppelbett fuer mich ganz allein, eigentlich habe ich die ganze Etage fuer mich allein und 3 weitere Betten im Raum, die noch leer stehen.

In den naechsten Tagen und Wochen wird sich dieses Haus mit Leben fuellen, wir werden jeden Tag Besuch empfangen und entgueltig zum Teil dieser Dorfgemeinschaft.

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