Sie Sonnenstrahlen wecken mich auf, um mich herum zirpen die Grillen und singen die Vögel.
Ich strecke meine müden Glieder, der Baum vor meinem Zelt steht wie aus dem Nichts in blauer Blüte, kleine sternförmige leuchtende Blüten.
An meiner Matratze rennt im Galopp ein Maultier vorbei, gefolgt von einer aufgeregt, bellenden Tomassita. Guten Morgen Minca!

Ich habe wieder Lust auf Yoga, mein Körper fühlt sich besser an, ich kann meine Zehenspitzten wieder berühren.

Mücken, Mücken, überall Mücken – es ist hier völlig normal, sich während einer Unterhaltung ständig zu kratzten – in Deutschland würde man denken, ich habe Flöhe. Manchmal wache ich nachts auf und kann nicht aufhören mich zu kratzen.

Das Einzige was Linderung schafft, ist ein Bad im eiskalten Pool. Ich halte meinen Kopf unter Wasser, nehme danach eine heiße Dusche und schlüpfe in einen warmen Pullover – Glücksgefühle!

Regenzeit, Regenzeit, Regenzeit!
– Es schüttet wie aus Eimern, lange, dicke Bindfäden spiegeln sich im Sonnenlicht. Der Wald trieft und saugt jeden einzelnen Tropfen glücklich auf.
Dicke, kugelrunde Regentropfen hängen, wie fein säuberlich, aufgereihte Perlenketten an den Stäben der Balkonrüstung.

Dieser Ort ist so perfekt und atemberaubende schön – ich bin selbst überrascht, was für ein Naturkind ich geworden bin.
Ich denke an München – warum lebe ich in einer Stadt, in der vieles perfekt ist, einem aber nur ein so teurer und sehr begrenzter Wohnraum zur Verfügung steht? Warum will ich überhaupt zurück nach München, weil dort meine Freunde sind oder ich dort seit 10 Jahren lebe?
Diese Reise ist ein Rätsel, aber ich bin guter Dinge, dass  am Ende alles einen Sinn ergeben wird.

Maikäfer, Maikäfer, überall Maikäfer –  die Regenzeit bringt uns neue Insekten.
Das ist eine Plage, riesige-monster Körper fliegen in einer unkoordinierten Flugbahn immer an die Wand. Sie sind überall, besonders gerne verfangen sie sich in meinen Haaren.  Es macht den Eindruck als kommen sie hierher um zu sterben, wie ein Horrorfilm, hunderte Maikäfer liegen zertreten auf dem Boden.

So viele unzählige, atemberaubende Sonnenuntergänge und Farben des Himmels, heute hellblau, ein warmes Gelb und ein leuchtendes Pink. Manchmal sehen die Berge in der Abendsonne wie zwei große Vanilleberge, in einem samtigen-milchigen Licht, aus.
Ich hätte mal wieder Lust auf Schnee und Fernsehen.

Es gibt Momente, in denen habe ich schlechtes Gewissen, weil ich so lange an diesem Ort bleibe.
Ich telefoniere mit meiner besten Freundin und sie sagt: „ Du wolltest doch ein Jahr frei haben und nichts tun (…)“ Sie hat Recht – aber es gab einen Plan, viele Länder, viele Ziele. Warum ist das Nichts-Tun so schwer und warum können wir noch schwerer begreifen, dass es kein Nichts-Tun gibt?

Es gab in meinem Leben wenige Momente, in denen ich wirklich mit mir im Reinen war.
Hier bin ich glücklich, im Hier und Jetzt und genieße jeden Moment.

Nach 5 Wochen plane ich mit Wehmut meine Weiterreise, lege mich auf die Blumenwiese und ahne noch nicht, dass mich das Schicksal in Minca verweilen lässt und ich in wenigen Tagen zum Hausbesitzer werde und für die nächsten Wochen ein Hostel eröffne.

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