In einer malerischen Umgebung starte ich, nach einer kolumbianischen Fruehstuecksuppe, mein Lernprogramm, ausgestattet mit dem kleinsten Dictionary der Welt (danke Nina!) einem nigelnagelneuen Heft und der besten Internetseite, um Spanisch zu lernen. www.studyspanish.com.

NACH WOCHE 1 : Spanische Worte verlassen meinen Mund.
Seit einer Woche ist die spanische Sprache um mich herum, ich beginne zu lernen, zu verstehen und zu sprechen. So muss es sich angefühlt haben, als ich lesen und schreiben lernte.

Auf einmal bekommt alles einen neuen Namen, zuerst das Gemüse, dann das Obst, Küchengeräte, Zahlen und Möbel. Dann werden die Wörter zu kurzen Sätzen verbunden und das 1. Mal kommt eine neue Sprache aus meinem Mund. Das fühlt sich komisch an.

Selbst alltägliche Gegenstände bekommen eine Chance auf einen schöneren Namen. „Cuba de la basura“ (Mülleimer) und „Papel higienico“ (Toilettenpapier)

Ich halte mein tägliches Lernpensum von 4 Stunden Spanisch pro Tag, aus ersten Sätzen werden kleine Dialoge, ich beginne die Menschen zu verstehen und sie mich. Ich kann über erste Witze lachen und selbst welche machen.

Verben, Verben und nochmals Verben, sie sind das Wichtigste, um Sätze zu formen und ich kann mir kein einziges merken, also beginne ich mit Adjektiven. Meine tägliche Übung besteht darin, meine Umwelt in möglichst vielen Adjektiven zu beschreiben.

Die Menschen um mich herum ertragen das mit einer unerschütterlichen Geduld und hören mir aufmerksam zu, wenn ich ständig Dinge beschreibe, die offensichtlich sind.

NACH WOCHE 2: Mein bilinguales Tagebuch und 300  Wörter für Bachraches.
Ich muss einen zusätzlichen Weg finden, mir alles zu merken – ich beginne zu schreiben.  Mein Tagebuch ist jetzt bilingual. Eine Seite auf Deutsch und danach übersetzte ich Wort für Wort ins spanische. Anschließend gebe ich meinen Gasteltern den Eintrag zur Kontrolle. Mein 1. Eintrag bringt mir 75%, nicht für Grammatik, aber für Poesie und Humor. Sandra und Oskar wissen mich zu motivieren: Ich bin stolz wie Oskar.

Braches ist genau das Gegenteil, ein einfacher Arbeiter, kein Mann der großen Worte und absolut ungeeignet, um Menschen zu motivieren.

Er sagt, wenn ich nicht 300 Wörter pro Tag lerne, werde ich niemals in 4 Wochen spanisch sprechen. Hola? Was denkt der sich eigentlich, er könnte mich ja auch mal loben, dem werde ich’s schon zeigen! 

NACH WOCHE 3: Ich werfe das Handtuch!
3 Tage boykottiere ich alles und rede kein spanisch mehr, in meinem Kopf ist eine Blockade.

So viel Gelerntes will sich einfach nicht in Sätze formen lassen und meinen Mund verlassen.

Ich will jetzt sofort spanisch sprechen können! –  die 4 Wochen sind bald vorbei. Oskar unterstellt mir, ich wäre zu ungeduldig und ehrgeizig, aber er weiß genau diese Schwäche zu nutzen. 100 Pesos für jedes Wort, das ich mit ihm in Englisch, anstatt in Spanisch, spreche.

Ich bin wieder dabei, angespornt möglichst wenig Geld zu verlieren, fange ich wieder an spanisch zu sprechen.

NACH WOCHE 4:  Vom Lernen des Lernens.
Es läuft gut. Ich erreiche die nächste, sprachliche Stufe. Lesen in Spanisch.

Im kolumbianischen „Spiegel“, der „Semana“. (Die Woche) lerne ich allerdings Vokabeln, die ich hoffentlich nie benutzen muss: Muerte (Tod), Narcotraffico (Drogenhandel) und Homicidio (Totschlag).

4 Wochen sind vorbei. Spreche ich jetzt spanisch? si y no. (ja und nein)

Ja, ich kann einfache Dialoge führen und mich verständigen – das konnte ich vorher nicht. Doch das Wichtigste ist, dass ich wieder gelernt habe zu lernen. Es gibt keine finale Zielgerade, aber immer wieder verschiedene Level, die ich erreichen kann. Ein Lernprozess hat keinen Anfang und kein Ende.

Ich habe mich in diese Sprache verliebt und habe jeden Tag Lust, sie zu sprechen, zu hören und zu lesen. Ich weiß jetzt, dass es nicht meine alleinige Schuld war, dass meine Schulnoten so schlecht waren. Eine Sprache muss man erleben und es braucht Menschen, die das mit Begeisterung vermitteln.

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