Nach tagelangen Verschiebungen verlassen wir Taganga. Wir haben zu viel Gepaeck und erst der 4. Minibus hat Erbarmen mit uns. Ich quetsche mich auf den Fensterplatz, meine Beine liegen auf 3 Lagen Gepaeck und neben mir sitzt eine bildschoene Kolumbianerin im Bleisiftrock. Menschen, die nicht traveln riechen anders und sehen anders aus. Irgendwie ziviliesierter.

Umstieg in Santa Marta – der offizielle Abfahrtsort fuer das naechste Taxi ist eine Tienda, der typische kleine Strassenkiosk Kolumbiens. Wie immer das gleiche Ritual: Preis anhoeren, Gegenvorschlag machen und das Endergebis aussitzen. Wir entfliehen den dreckigen Strassen Santa Martas, um nach einer 30minuetigen Fahrt ein kleines Bergdorf zu erreichen, ein Dorf namens Minca.

Ich spuere sofort dieser Ort ist etwas Besonderes, aber ich ahne noch nicht, dass ich monatelang in diesem Dorf leben werde.

Alles was wir bisher haben ist diese, sehr rudimentaere Karte, ein Tipp eines Reisenden, ein Geheimtipp.

Wir laufen los und passieren einen Weg mit riesigem Bamboo, der sich ueber uns wie Tunnel zusammenfuegt. Der Weg ist mal enger mal breiter, mal steinig, mal feucht, kleiner Bambus, grosser Bambus und auf der Haelfte der Strecke kommen wir nicht weiter.

Sofort bietet uns ein freundlicher Kolumbianer seine Hilfe an, entweder ist das eine wirklich hilfsbereite Dorfgemeinschaft oder der will gleich Geld dafuer. Ich ahne noch nicht, dass Luis in einigen Wochen mein Gaertner sein wird.

Wir laufen einen bezaubernen Pfad entlang, der von Wildblumen und Kaffeepflanzen gesaeumt ist, links von uns ein kleiner Bach, rechts von uns Schmetterlinge in allen Farben. Der Weg endet an einem, hinter Palmen versteckten Haus – ein Haus das groessten Teils weder Fensterscheiben noch Tueren hat. Soviel Natur wie moeglich, so wenig Haus wie noetig.


Ok- am Anfang war es gewoehnungsbeduerftig ein grosses Loch in der Wand, anstatt eines Badezimmerfensters zu haben – aber habt ihr jemals eine  heisse (!) Dusche genossen, waehrend die Sonne ueber den Bergen untergeht und ein Kolibri im Fenster zwischen pinken und weissen Blueten hin-und herfliegt. Ich auch nicht! – und allein eine heisse Dusche ist in Kolumbien etwas Besonderes.

On Top gibt es noch einen Pool, der taeglich mit frischem Bergwasser gefuellt wird, ohne Chlor (!), Kuehlschrank und Stromlieferant in einem. Das ist was wir Oeko-Tourismus nennen, habe ich so zuvor noch nicht gesehen.

Etwas abseits vom Haus, setzte ich mich auf einen Felsvorsprung, vor mir liegen die Taeler und Berge der Sierra Nevada, die Silhouette der Stadt Santa Marta und der Atlantik  – was fuer ein friedliches Fleckchen Erde. Manchmal weiss man erst wonach man gesucht hat, wenn man es gefunden hat.  – ich atme tief ein, hier werde ich bleiben. 


Niemand hat jemals unter diesem Palmendach geschlafen, aber alles kein Problem in Kolumbien. Bauschott entfernen, eine komfortable Doppelmatraze und Moskitonetz platzieren und fertig.
Ich liebe diesen Ort so sehr, ich liege auf der Matraze und vor und hinter mir ist nur Natur – und einige Tiere bei Nacht, aber das ist eine andere Geschichte.


Dieser Ort ist so weit entfernt davon ein Hostel zu sein, in der Praxis koennen hier seit 3 Monaten ein Raum und zwei Zelte vermietet werden. Ansonsten laueft hier ein ganz normaler kolumbianischer Alltag – aber was ist schon normal. Die Kurzversion, ich lebe ab heute mit einer Aerztin, einem Lehrer inklusive einer Haushaelterin , einer 12 jaehrigen Schuelerin, einem Hund, einem Meerschweinchen – aber da ist noch so viel mehr.  (coming soon in part 2)

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