03. April 2011
Ich habe ein Jahr Zeit zum Reisen, es sind noch nicht einmal 3 Monate vergangen und ich habe ein Travel Burn Out.Ich erreiche Taganga, ein bezauberndes Fischerdorf im Norden von Kolumbien – und kann es nicht geniessen. Warum es so schwierig ist, seine eigene Reisegeschwindigkeit zu finden und wie es sich anfuehlt, wenn man Urlaub vom Urlaub braucht.

Urlaub ohne Ende – Reisen ist immer wieder von vorne anfangen.
Normalerweise verarbeitet man nach einem Urlaub die erlebte Zeit, entwickelt Urlaubsfotos und kommt wieder zu Hause an. Ich komme nicht nach Hause –  ich komme immer nur an einen neuen Ort und muss von vorne beginnen.

Mein 4. Land, mein 17. Ort und meine 22. Unterkunft.

22 Mal den Transport organisieren, etliche Kilometer zuruecklegen, im Lonely Planet lesen, ein Hostel finden, den Preis verhandeln, einchecken, Reisepass vorlegen, Passnummer hinterlegen, den Schluessel in Empfang nehmen, mein Bett beziehen, den Rucksack auspacken, eine Karte mit den wichtigsten Punkten markieren, Geld abheben, neue Menschen treffen:
Wie heisst du? Wo kommst du her? Wie lange reist du? Wo warst du schon? Wo gehst du als naechstes hin? Immer die selben Antworten, ich kann mir keine Namen mehr merken und erst recht nicht die persoenlichen Geschichten dazu.

In welcher Sprache spreche ich mit wem? Deutsche, spanische und englische Wortfetzen rattern durch meinen Kopf. In welchem Land bin ich eigentlich, wie ist die Waehrung, wie ist der Umtauschkurs, wie viel kostet ein Liter Milch, was ist zu beachten, was muss ich sehen? Ich muss gar nichts mehr, ich kann nicht mehr, ich brauche mal eine Pause.

Quantitaet statt Qualitaet.

In Deutschland sitzt man ueber einer Weltkarte und markiert fleissig alle Laender, die man in einer logischen Reihenfolge sehen will. In einem Jahr einmal um die Welt um am besten ohne Pannen. Die Praxis funktioniert so nicht, das ist kein 4 Wochen Urlaub, ein Land und seine Menschen lassen sich nicht einfach so abhaken.

Meine groesste Sorge war, dass ich keine Menschen kennenlerne und mich alleine fuehle. Ich war noch nie wirklich allein, dabei wolte ich doch ueber ein paar Dinge nachdenken, Abstand gewinnen –  frei sein. Der Zeitpunkt ist wie bei jedem Burn Out aeusserst unguenstig. Emily ist da, sie gehoert zu meinen besten Freundinnen und hat knapp 4 Wochen Urlaub. Natuerlich hat sie ein anderes Tempo, andere Prioritaeten, ich kann nicht mithalten und ich kann es auch nicht erklaeren.

Von unserem Zimmer wird das Rauschen des Meeres von den Baessen der Clubs uebertoent, es laeuft mal wieder die „Time of my life“ Party Version der Black Eyed Peas.  Ja  – heute fuehlt es sich nicht so an, als haette ich die Zeit meines Lebens und ich sage das 1. Mal „nein“.
„Nein“ zu weiteren Cocktails, „nein“ zu weiteren Partys, „nein“ zu weiteren, schlaflosen Naechten.

Natuerlich macht das Spass, aber nach einigen Wochen reicht es, ich gehe heute mal frueh ins Bett und versuche die Geschwindigkeit des Reisen zu entschleunigen. Und wenn mir das naechste Mal jemand sagt, was ich unbedingt noch sehen muss, werde ich sagen, ich muss gar nichts, ich bleibe jetzt einfach hier.

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