Ich habe eine Tour gebucht, von Touren halte ich grundsaetzlich nicht viel und diese liegt mit 50 Dollar deutlich ueber meinem Budget. Das Programm: Bootstour auf dem Panama Kanal, Hausboot Besichtigung, Kajaktour durch den Regenwald, Wasserfall, Affenfuetterung und ein Essen.

Alle haben mir begeistert von dieser Tour berichtet, vor allem von dem Hausbootbesitzer, er soll die immer gleichen schlechten Witze, so schlecht erzaehlen, dass es schon wieder sehr unterhaltsam ist. Ich hoffe er ist nicht der Typ, Koelner Taxifahrer, ueber diesen gewollt witzigen Humor kann ich fast nie lachen und einen ganzen Tag ertrage ich das nicht.

Planmaessige Abholung im Hostel ist 09:00 Uhr, der Hollaender Mohamed und der Amerikaner Richard haben die selbe Tour gebucht und wir starten um 09:45 Uhr.

Eine Stunde Minibusfahrt zum Panama Kanal und wir werden als erstes gebeten, dass wir niemanden erzaehlen sollen, dass wir nur 50 Dollar gezahlt haben, denn der Rest Gruppe hat das Doppelte gezahlt. Der Rest der Gruppe besteht aus sehr alten Menschen, die meisten von ihnen Ehepaare im Einheitslook. Beige Funktionsweste, ein daemlicher Schlapphut und weisse Socken. Das kann jas lustig werden.

Eine Affenmama mit einem winzigen Baby auf dem Ruecken greift zielstrebig in meinen Bauchnabel

Der Captain erreicht das Ufer, ein in die Jahre gekommender Backpacker, mit laengeren Haaren, einem verschmitzten Laecheln und platten Witzen. Die Rentner lieben seine Witze, ich bekomme nicht mehr als ein muedes Laecheln hin, dann folgt der erste Witz ueber Deutsche, ich kontere blitzschnell und ab dem Moment ist klar, der Captain und ich  – wir moegen uns.

Die naechsten zwei Stunden sitzen wir in Boot – Reihe 1 und hoeren uns die Erklaeungen zum Panama Kanal an, die erste halbe Stunde ist noch interessant. Nach dem 10ten Baum und dem 20zigsten Vogel ist dann aber auch genug, es folgt die Erdnuss – Nummer.


Ich bin vorbereitet, mein Mitbewohner hat mir bereits davon erzaehlt, jeder legt eine Erdnuss in seinen Bellybutton (Bauchnabel) und dann springen Affen aufs Boot und greifen die Nuss. Waehrend sich alle noch wundern, versuche ich bereits Erdnuss und Kamera strategisch guenstig zu platzieren, dann stuermen auch schon die Affen auf unser Boot. Sie springen aus den hoechsten Baumgipfeln, eine Affenmama mit einem winzigen Baby auf dem Ruecken greift zielstrebig in meinen Bauchnabel und meine Kamera ist nicht schnell genug.

Wir verfuettern die letzte Banane und der Captain warnt mich, ich  soll aufpassen, dass die Tiere meine neonfarbenden Naegel nicht fuer eine Frucht halten. Ich koennte mir vorstellen, dass er das ernst meint.


Wir erreichen sein Haus, mitten im Wasser im tiefsten Regenwald.
Wow – was fuer magischer Ort. Welche Adresse gibt man denn hier an? Ich frage mich wie sich der Sound des Regens anhoert, wenn er auf das Blechdach prasselt.

Von allen Seiten des Hauses kann man ins Wasser springen, alles ist immer in Bewegung, eine panamanesische Kuechenhilfe serviert das Essen. Ich setze mich zum Captain, der allein an einem Tisch sitzt und er sagt mir, dass ich das nicht machen muss, er isst immer allein. Immer dieser Typ der Mensch, der sich selbst gern zum Aussenseiter macht und so tut, als braeuchte er keine Freunde. Er freut sich natuerlich doch das ich bleibe und wir reden ueber seine Reisen, das Leben im Regenwald und die Tiere mit denen er zusammenlebt.

Die Tiere sind sein ganzer Stolz und nach dem Essen duerfen alle mal halten. Cool, davon hat mein Mitbewohner nichts erzaehlt. Er stellt eine Plastikbox auf den Steg und holt eine riesige Boa herraus, wer will mal halten? Ich will und hoffe dass ich bei der Erklaerung, wie ich den Kiefer zu halten muss, gut zugehoert habe. Fest sich gut an, gar nicht glipschig.

 Es folgt ein Babykrokodil, wer will mal halten? Ich bin mir nicht mehr so sicher. Der Captain redet mir gut zu, ich nehme das Tierchen und rede dann gut auf das Krokodil ein. Ist mir nicht mehr ganz so sympathisch.

Niemand soll sagen, dass er nicht etwas fuer sein Geld geboten bekommt und es folgt eine Kajaktour durch den Regenwald. Ich frage nach Krokodilen im Wasser, der Captain bejaht, ich habe keine Wahl. Der wuerde diese Tour wohl nicht machen, wenn ein Kajak von einem Krokodil gefressen wird. Alle die Schiss haben, koennen vom Haus aus angeln und Bier fuer einen Dollar trinken. Die meisten Funktionswesten – Traeger angeln.

Wir starten, mein Kajak – Partner ist ein Italiener, der leider kaum englisch spricht. Die Wege sind schmal, das Wasser ist flach und wir realisieren, dass Kajak ohne Teamarbeit nicht funktoniert. Ich lerne die italienischen Worte fuer rechts und links und wir kommen endlich vorwaerts.

Ankunft beim Wasserfall, wer will mal springen? Ich will, aber ich trau mich nicht. Der Captain redet mir wieder gut zu, diesmal bin ich kurz davor, aber eben noch nicht bereit. Die Jungs springen. Eine aeltere Dame sagt, dort springen nur Menschen rein, die jung und dumm sind.
Gehts noch? Ich muss mir auf die Zunge beissen, um sie nicht zu fragen, was sie fuer ihre Tour bezahlt hat, um klarzustellen, wer hier dumm ist.

Zurueck an Land, fuehrt mich der Captain verschwoerisch an einen Pfosten und drueckt mir einen Fruchtsalat in die Hand. Ich sehe nicht, was er hinter meinem Ruecken hervorzaubert, was koennte nach Schlange und Krokodil folgen? Hoffentlich kein Vogel.

Ich schaue in die Gesichter meiner Tourteilnehmer, ein Raunen geht durch die Menge und dann springt dieser bezaubernde Affe auf meine Schulter. Niemand darf mal halten, nur ich, der Captain ist eben doch eine gute Seele.

Wir bereiten uns auf die Rueckfahrt vor und dann faengt es doch noch an zu regnen, der Captain zwinkert mir zu, als waere es Teil des Programms.
Ich hoere den Sound des Regens. Dicke Tropfen prasseln aufs Blechdach, das Licht veraendert sich und die Luft riecht nach einem frischen Sommerschauer.

Dann verabschiede ich mich vom Captain, haette ich mehr Zeit, wuerde ich ihn fragen, ob ich zwei Wochen hier leben kann. Ich bin mir sicher, wir wuerden uns preislich einig werden, denn er hat ein grosses Herz fuer Menschen mit schmalem Budget.

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