Tag 76 – 09:30 Uhr
Wie passieren einen gigantischen Fischmarkt – eine Bretterbude reiht sich an die naechste, wie ein gigantischer Ameisenhaufen voller Fisch. Die Mittagssonne brennt, unser Boot faehrt erst los, wenn es voll ist und wir sind die Ersten. Ueber eine Stunde hoeren wir die immer gleichklingende, monotone Stimme eines Strassenhaendlers, der uns Wasser verkaufen will.

Wir wollen Wasser, aber so viel Generve darf nicht belohnt werden. Das Boot ist bis zum Anschlag gefuellt, die holprige Fahrt beginnt und ich frage mich, wie wir jemals wieder an unseren Rucksack kommen.

Wir erreichen Playa Blanca im Wasser, unser Gepaeck macht uns den Ausstieg schwer und das Boot verlaesst den Strand mit einem meiner Turnschuhe. Wieder etwas verloren und diesmal etwas verdammt Bequemes.

Playa Blanca ist ein paradiesischer, weisser Strand mit einigen Restaurant-Strandhuetten und einfachen Unterkuenften – wir beziehen unser Zelt.


Kaum angekommen, haben wir auch schon zwei oelige Haende in unserem Nacken. Kostenlose Probe-Massage von Maria und Maria. So sitzen wir Mittags, auf Plastikstuehlen, mit den Fuessen im Sand und unserer Koepfe werden von einer zur anderen Seite geschleudert. „Schoen locker lassen“- wenn das so einfach waere, ich sehe Emilys Kopf im Augenwinkel kreisen und kann mich nicht mehr halten vor Lachen.

Wir buchen die Massage, eine Stunde fuer 30.000 Pesos (15 Dollar) und erfahren am Abend das andere nur 5 Dollar gezahlt haben. Dafuer sind unsere Haare jetzt eingeoelt und zu einem franzoesischen Zopf geflochten. Danke Maria!

Der Abend endet mit extrem, merwuerdigen Schweizern. Warum sind Schweizer fast immer nerdige Freaks? Ausserdem zwei Amerikaner, die mir meine Taschenlampe nicht zurueckbringen, also Diebstahl. Wieder etwas verloren und diesmal etwas verdammt Wichtiges.

Tag 77 – 05:00 Uhr
Ich stehe vor Sonnenaufgang auf, niemand ist wach. Gestern grasten noch Kuehe hinter unserem Zelt, heute tummeln sich hier unzahlige Reiher und Muecken.

Meine Haare sind noch immer oelig und hier gibt es kein fliessendes Wasser, selbst zum Zaehneputzen muss ich das teure Flaschenwasser benutzen.

An meiner Haengematte laeuft ein Hund ohne Auge vorbei, das Auge muss erst seit kurzem verloren gegangen sein. Ein tiefes, rosarotes Loch blickt mich an und er versucht das dicke Geschwuelst an meiner Haengematte abzureiben. Echt widerlich.

Am Strand laufen Frauen mit einer aufrechten, eleganten Haltung durch den Sand und transportieren grosse Plastikschuesseln gefuellt mit Ananas, Melonenstuecken und Kokusnussgebaeck auf ihrem Kopf.

Wir verbringen den Tag mit einer kleinen Multi-Kulti Familie, die wir schon seit Cartagena kennen. Er kommt aus Muenchen, sie aus Uruguay, das gemeinsame Kind ist keine 2 Jahre alt. Jeder NIDO- Redakteur wuerde sich die Finger nach ihnen schlecken. Eine Vorzeigefamilie, die jeden Tag mit einer Gelassenheit zeigt, dass man sehr gut mit einem kleinen Kind reisen kann, ohne dabei ueberorganisiert oder verantwortungslos zu sein.


Der Abend endet mit einem argentinischen Freak, der sich in gechillter Abendstimmung von weltweiten Uerberwachungskameras verfolgt fuehlt.
Er selbst ist Fotograf (…)

Tag 78
Am naechsten Morgen werden wir um 05:30 von der Besitzerin geweckt, die wir immer nur als leicht depressive, dem Alkohol zugeneigte Frau erlebten.
Nach einer gemeinsamen Bootsfahrt uberrascht sie dann aber doch mit einem guten Herz und verhandelt uns einen guten Taxipreis.
Da sind wir wieder – Cartagena – Hostel Holiday – diesmal mit einem Fernseher im Zimmer!

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