Der Blog ist ein Sprachrohr, viel Reflexion, aber kein Dialog.
Heute folgt der 1. Gastbeitrag – meinen lieben Dank an Daniele, fuer so viel Muehe und vor allem Ehrlichkeit, denn Ehrlichkeit ist die am schwersten erreichbare Tugend waehrend des Schreibens, aber ich weiss meine Leser wissen das mehr als zu schaetzen.

Autor: Daniele Saturno
Datum: 01.April 2011
begegnet in: Costa Rica, Panama

Prolog:

Berührungsängste:
Die Zweifel trage ich überall mit mir rum. Sich einfach öffnen nach all der Zeit? Leichter gesagt als getan. Manchmal schmerzt es. Es tut weh sich allein zu fühlen. Dabei weiß ich nicht, ob ich mich alleingelassen fühle oder einfach nur einsam bin. Doch ändert das nichts an diesem bohrenden Gefühl. Es ist nicht so, als ob ich es nicht versucht hätte. Gut gemeinte Ratschläge waren die Konsequenz, obwohl das genau das ist, was ich nicht brauche, denn eben jene fühlen sich doch  immer an, wie Schuldzuweisungen. Und zudem folgt den Tipps selten eine Erklärung,  wie so etwas zu bewerkstelligen ist. Keine Gebrauchsanleitung für das Leben vorhanden!  Verständnis wäre mir lieber, aber an dieser Stelle folgt eher Verständnis meinerseits. Wie soll man etwas verstehen, das so unverständlich ist. Schwierige Aufgabe. Das will ich niemandem zumuten. Und was tue ich? Mich zurückziehen.  Der Teufelskreis erweist sich nicht als Teufelskreis, sondern als Teufelsquadrat. Denn manche Äußerungen drängen einen von der Spur. Sie drängen mich in die Ecke. Raus komme ich dann nur mühsam.
Ein weiteres Mal komme ich heraus, verlasse mein Schneckenhaus und versuche es tatsächlich erneut, ich will raus, ich möchte nicht einsam sein: Ich denke mir, dass es sich mit so viel Last schwer Gipfel erklimmen lässt, also mache ich mich mit Sack und ohne Pack allein auf nach Zentralamerika.

That’s what he said:

Nach ca. 2 Monaten Reisezeit lerne ich eine kleine unscheinbare Person kennen. Unsere erste Begegnung war unspektakulär. Nach einer durchzechten Nacht machen wir uns mit einer Gruppe von Leuten auf den Weg von Costa Rica über die Grenze nach Panama. Alle sind verkatert, wenige haben geschlafen. Unter Ihnen: Jenny.

Jenny spricht nicht viel, doch wenn sie was sagt, meint man, es sei bedeutend. Es mag oft am Inhalt liegen, doch meist ist es die Art, wie sie Dinge ausdrückt. Es ist müßig jetzt genau zu erklären, warum dies so ist, aber ich denke, dass jeder der sie kennt, weiß, was ich damit meine.
Aber faszinierender finde ich, dass es unheimlich schwer ist, hinter die Fassade zu blicken. Ich meine, am Anfang habe ich sie nur in der Gruppe erlebt. In der Gruppe wurde Englisch gesprochen. Jenny hat Englisch gesprochen. Doch irgendwie klang, was sie sagte, nicht so oberflächlich, wie das, was andere von sich gaben. Mein Interesse war geweckt. Ich wollte diesen Menschen kennenlernen. Wir verbringen also einige hektische Tage in Bocas. Es ist Karneval, auf den Straßen ist viel los, es ist laut, es ist chaotisch. Ich reise nach 3 Tagen wieder ab. Ich entscheide mich für eine ruhigere Insel in der Nähe. Wem ist die gleiche Idee gekommen? Jenny.

Wir treffen uns also in ruhigerer Umgebung wieder und haben nun endlich die Möglichkeit uns auf Deutsch zu unterhalten. Es wird mir wieder bewusst, um wie viel ausdrucksstärker die deutsche Sprache ist. Aber es liegt nicht nur an der Sprache. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt. Ich merke, dass sie tiefgründig ist und höre ihr gerne zu. Auch sie hört gern zu, also ergeben sich Gespräche, die man auf solchen Reisen leider selten erlebt. Das sonst so übliche Travelergeschwafel bleibt aus. Wir begegnen uns  auf einer anderen Ebene. Mir gefällt es und ich genieße die Tage. Obschon dankbar diese neue Erfahrung gemacht zu haben, jemanden zu treffen, von dem du das Gefühl hast, er sei anders und bereichere deinen Tag, anstatt dir Zeit zu stehlen,  bleibt mir nach wenigen Tagen nichts anderes übrig, als weiter zu ziehen. Weiterziehen,  diesmal mit etwas mehr im Gepäck. Dieses „etwas mehr“ ist jedoch keine Last, obwohl bedeutungsschwer. Es ist die schöne Erfahrung einen Freund gefunden zu haben.

Ich wünsche dir eine wunderschöne Zeit, hoffe, dass du auf deiner Suche nach dem  „Besonderen“  fündig und mit vielen einzigartigen Erinnerungen nach Hause zurückkehren wirst…

Daniele

Epilog:

VIAJAR (Gabriel García Márquez)
Viajar es marcharse de casa,
es dejar los amigos
es intentar volar;
volar conociendo otras ramas
recorriendo caminos
es intentar cambiar.

Viajar es vestirse de loco
es decir „no me importa“
es querer regresar.
Regresar valorando lo poco
saboreando una copa,
es desear empezar.

Viajar en sentirse poeta,
escribir una carta,
es querer abrazar.
Abrazar al llegar a una puerta
añorando la calma
es dejarse besar.

Viajar es volverse mundano
es conocer otra gente
es volver a empezar.
Empezar extendiendo la mano,
aprendiendo del fuerte,
es sentir soledad.

Viajar es marcharse de casa,
es vestirse de loco
diciendo todo y nada en una postal.
Es dormir en otra cama,
sentir que el tiempo es corto,
viajar es regresar.

Reisen ist weggehen von Zuhause
Freunde zurück lassen
versuchen zu fliegen
neue Zweige kennen lernen
neue Wege beschreiten
versuchen zu ändern

Reisen ist sich verrückt kleiden
„es ist mir egal“ zu sagen
zurück kommen wollen
auch Kleinigkeiten schätzen
zurück kommen wollen
einen Drink schmecken
der Wunsch zu beginnen

Reisen ist sich wie ein Poet fühlen
einen Brief schreiben
umarmen wollen
umarmen wenn man an einer Türe ankommt
sich nach der Stille sehnend
der Wunsch zu küssen

Reisen ist sich weltlich fühlen
andere Menschen kennen zu lernen
wieder beginnen
beginnen mit offenen Händen
vom Starken lernend
Einsamkeit fühlen

Reisen ist von Daheim weg gehen
sich verrückt zu kleiden
alles und gar nichts mit einer Karte zu sagen
in einem fremden Bett zu schlafen
zu spüren, dass die Zeit kurz ist
Reisen ist zurück kehren.

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