(Entschuldigt diesen trashigen RTL2 -Stil Titel, aber es  funktioniert, denn ihr habt den Artikel angeklickt)

Boquete – ein typisch panamesisches Dorf, mit etwa 20.000 Einwohnern, im westlichen Hochland Panamas auf 1000m.

 Ich habe einen ganzen Tag fuer mich, laufe einfach los und lande als Erstes in einer Kirche.


Die Sachen mit der Kirche hat bereits nach meiner ersten Landung in der Flughafenkirche von Dublin angefangen. Es geht nicht so sehr um die Kirche als Institution, sondern eher als Platz der Stille und des Glaubens.
Oh Gott, was rede ich da (…)

Ein Gespraech mit Gott.
In Deutschland gehe ich nur mit meiner Oma in Kirchen, heute bin ich ganz allein hier und spreche das erste Mal mit Gott. Ich sitze aufrecht, atme durch und starte mit „Hallo Gott“.
Ich war auch schon mal kreativer. Ja, was habe ich eigentlich zu sagen, aber nach kleinen Anlaufschwierigkeiten laeuft es ganz fluessig. Demut war noch nie so meins und ich bringe durchaus einige Zweifel und Ungereimtheiten zur Sprache.
Gott ist guetig und schweigt fuers Erste.
Da sitze ich nun mitten in Panama, beende nach 5 min den Monolog und dann schlagen beide Kirchenfenster zu. Ist das ein Zeichen – ich weiss es nicht, fuehle mich aber gut. Meine Oma waere stolz auf mich.

Ein Gespraech mit RTL2.
Danach widme ich mich den irdschen Dingen und rufe das 1. Mal meine ehemaligen Kollegen an. Da stehe ich nun vor einer „Shalom Bakery“, die natuerlich mit WIFI ausgestattet ist und rede in meinen Computer. Die asiatische Besitzerin bringt mir einen englischen Bagel (mit Ruehrei), ich schaue auf die Berge Panamas und trinke einen Latte Macchiato. Ein sehr internationaler und vernetzter Ort, die Grenzen der Welt verschwimmen. Meine Kollegen hoeren sich an, als waere sie im Laden gegenueber und es tut gut ihre Stimmen und ihr Lachen zu hoeren.

Ein Gespraech mit meinem Vater.
Nachdem ich einige besorgte E-Mails, Satelitenbilder und Zeitungsberichte zur moeglichen Nachwelle auf der Pazifikseite Panamas bekomme, rufe ich meinen Vater an.
Was ist denn da los in Japan?
Es ist schwer am anderen Ende der Welt einzuschaetzen, wie gefaehrlich eine Situation wirklich ist und mein Vater ist so schnell nicht aus der Ruhe zu bringen. Er ist natuerlich nicht besorgt, kein Grund zur Aufgeregtheit, ich kann weiterfahren.

Ein Gespraech mit einem komplett gelaehmten Menschen.
Ich laufe die Strassen entlang, sehe auf einem Balkon einen Mann, der bis zum Hals gelaehmt ist. Ganz allein in seinem Rollstuhl sitzend schaut er auf die Strasse und sieht dennoch nicht ungluecklich aus. Er kommuniziert mit seinen Augen, ich bleibe stehen und rede mit ihm.
Ich weiss nicht woher die spanischen Worte nehme, aber es kommen ein paar und wir kommunzieren fuer 10min. Natuerlich ist es keine richtige Kommunikation, aber vielleicht mehr als das, ich habe ihn aufgeheitert, das genuegt.

Wenn keine Gespraeche mehr moeglich sind.
Ich sitze in einem Cafe und nehme mir ein paar Stunden Zeit meinen Blog zu schreiben.
Es weht ein angenehmer Wind, ich trinke Cafe und beobachte das Leben auf der Strasse.
Dann erblicke ich eine grosse Menschentraube, mit langsamen Schritten folgen einem schwarzen Leichenwagen. Die Zeit bleibt fuer einige Minuten stehen. An der Spitze tragen fuenf Maenner einen weissen Kindersarg, der mit Rosen bedeckt ist. In einem monotonen Gleichschritt folgen die Eltern, sich gegenseitig stuetzend, apathisch ihrem Kind. Kein Gerausch ist zu hoeren, keine Traenen, absolute Stille. Ich kenne diesen Moment und denke an ein Zitat aus einem Buch, das ich einmal gelesen habe. „Die Toten belasten uns nicht so sehr durch ihre Abwesenheit als vielmehr durch das, was – zwischen uns und ihnen – nicht ausgesprochen wurde.“ Wie wahr, ich hoffe die Eltern hatten genuegend Gespraeche mit ihrem Kind.

Ich habe heute sehr viel kommunziert und bin sehr zufrieden mit dem Tag, dieser Ort hat eine spezielle Energie.

Am Abend treffe ich Daniele, er fragt mich wie mein Tag war, ich antworte, dass ich mit Gott gesprochen habe. Fuer den Bruchteil einer Sekunde schaut er mich verwirrt an, aber ja, wer fragt, bekommt eine Antwort. Danach gehen wir Kaffee trinken und der Kaffee in Boquete ist koestlich, ich geniesse die Abendsonne.

Nach einem noch koestlicheren Schokokuchen, besteigen wir den Bus.
Auf einen Tag in Boquete folgt eine Nacht im Bus nach Panama City. Hauptstadt  – wir kommen!

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