Nach 2 Naechten verlasse ich den Karneval, die Musik und die grosse Gruppe. Grosse Gruppen sind Segen und Fluch zugleich, einerseits ist immer jemand da, den du kennst, andererseits treffe ich keine Entscheidung mehr alleine. Ich moechte die gemeinsame Zeit nicht missen, aber ich verabschiede mich vom Trubel und brauche wieder einen ruhigeren Ort.
Ich verabschiede mich auch von Elina, sie wird mir fehlen, ich verspreche sie in Peru zu besuchen.

Ich nehme das naechste Wassertaxi, nach 10 Minuten erreiche ich Isla Bastimentos – keine Baesse mehr, eine voellig neue Welt.

Ein kleines verschlafenes Nest, Huehner laufen ueber die einzige Strasse, die typischen Stelzenhaueser saeumen das Ufer.


Ich habe mich nicht ueber Unterkuenfte informiert, ich habe nichts gebucht , ich folge meinem Bauchgefuehl. Es fuehlt sich gut an, wieder alleine unterwegs zu sein, einen neuer Ort, den es zu entdecken gibt. Ich checke im Bastimentos Hostel ein, ein skurriles Haus am Berghang mit Meerblick.


Ich nehme mir zur Abwechslung mal ein Einzelzimmer und treffe meinen neuen alten Nachbar, Daniele, den Berliner Arzt. Ich freue mich ihn zu sehen, ich mag ihn und werde in den naechsten Tag noch viel von ihm lernen.

An der Rezeption treffen wir ein deutsches Paerchen, beide Aerzte. Jetzt bin ich also in sehr sicheren Haenden. Ich bin noch keinem Arzt privat begegnet, ich erfahre Dinge aus einer voellig neuen Berufswelt und stelle mir alle drei ab und zu in weissen Kitteln vor. Die Chemie stimmt sofort, wir brechen auf zu einer Inselerkundung, klingt mal wieder harmlos und ist es natuerlich nicht.


Wir muessen auf die andere Seite durch den Dschungel und angeblich soll der Weg nur 20 Minuten dauern – nur heute ist es extrem matschig. Der Weg ist die Hoelle, mit oder ohne Schuhe, ich rutsche weg, knicke um und habe Knieschmerzen. Festen Boden gibt es nur stellenweise, ansonsten ist der Untergrund ein braun – gelber Schlamm und wir balancieren ueber Aeste und Scheisshaufen.


Ich frage mich wirklich, welches Tier diese Unmengen an Kot produzieren kann, das muss ziemlich gross sein und ich hoffe wir treffen dieses Monster nicht. Wir sind mal wieder die Einzigen im Wald und erreichen nach einer Stunde endlich den einsamen „Wizard Beach“.
Ich bin fix und fertig, aber dieser Strand ist einmalig, es fuehlt sich an, als wuerde ich durch eine sepia-farbende Brille schauen, ein samtiges, goldenes Licht huellt die gesamte Bucht ein. Es lohnt sich durch den Regenwald zu laufen, um solche Plaetze zu finden. Es gibt so verdammt schoene Plaetze auf dieser Erde!


Wir verbringen den Abend vor meinem Zimmer, das von aussen eher wie eine Imbissbude wirkt. Es ist sehr angenehm nur drei Leute um sich herrum zu haben, wir haben einen extrem witzigen Abend mit extrem guten Geschichten.
Ich habe Bauchschmerzen vom Lachen, Christian hat das Talent aus kleinen Anekdoten grosse Geschichten zu machen.
Sylvia ist eine sehr entspannte Berlinerin, ich mag ihren Pragmatismus und mit Daniele habe ich mich noch nie laenger auf deutsch unterhalten, heute lerne ich ihn vollkommen neu kennen, ich bin wieder mehr „ich“ in meiner Sprache.
Ich lege mich in mein Einzelzimmer, das komplett tuerkis gestrichen ist, die Waende sind zusammengenagelte Bretter. Hellhoerig ist untertrieben, meine Zimmernachbarin hat Besuch von einem Panamanesen.
Grillen zirpfen, der Mond haengt hier verkehrt herrum, wie eine tiefausgehoehlte Schuessel tront er am sternenklaren Himmel.
90 Grad Unterschied zu Deutschland. Ich reise mit drei Aerzten und einer von denen wird morgen denken er hat Gelbfieber und sechs Tabletten von meinem Antibiotikum einnehmen. Ist das schon Medikametenmissbrauch? – ich weiss es nicht, bin ja kein Arzt.

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