Ich bin in Bocas del Toro Stadt – der Bezirkshauptstadt der Provinz Bocas del Toro, Christoph Kolumbus war auch schon da, aber das liegt ueber 500 Jahre zurueck.
Direkt auf der Insel Colon mit ueberschaubaren 3600 Einwohnern. Ueberschaubar ist die naechsten Tage gar nichts, denn es ist Karneval.

Menschenmassen zelebrieren „Pura Vida“, von unserem Balkon haben wir alles im Blick und im Ohr. Baesse wummern von Sonnenaufgang bis in die spaete Nacht durch unsere Koerper. Musik, Musik, Musik!
Es ist erstaunlich wie schnell ich den lateinamerikanischen Rhythmus aufnehme, selbst den Weg zum Supermarkt legen wir tanzend zurueck.

Panama kommt mir authentischer vor als Costa Rica, echtes Leben, viele Kinder, aber ein mieser suesslicher Fleischgeruch in jedem Supermarkt.
Ansonsten hat sich bisher nur die Waehrung gaendert – wir zahlen mit amerikanischen Dollar.

Ich laufe nachts zum naechsten Schnellimbiss – der heisst hier „Comedor“ anstatt „Soda“. Das Leben spielt sich definitiv auf der Strasse ab.
Jede Bewegung  wirkt wie ein Balztanz mit sehr aggressiven Hueftschwuengen – wie ein Dorf im Fruchtbarkeitsrausch.

Besonders gefallen mir die Frauen mit frisch aufgezogenen Lockenwicklern, sie verspruehen diese natuerliche Laessigkeit, als wenn nichts waere.

Doch hier laufen auch Maenner in Teufelskostuemen und Peitschen in der Hand schreiend durch die Gegend. Sie schlagen mit den Peitschen auf die nackten Waden von Menschen, die kein Teufelskostuem tragen.

Ich bin logischerweise unkostuemiert, habe keine Ahnung von den Karnevalsritualen in Panama und sehe Touristen mit tiefen, blutigen Striemen. Wo bin ich denn hier gelandet, ist das so eine Art Krawatten-Abschneiden und wenn du nackte Waden hast, hast du Pech gehabt?

Ich habe nackte Waden und steigere meinen Laufschritt, ich habe keine Lust, der dumme Tourist mit blutigen Beinen zu sein. Ich finde einen Teil meiner Gruppe im Comedor, wir essen Reis mit Huehnchen – zum zweiten Mal heute.


Mit gut gefuelltem Magen ziehen wir weiter, Ladiesnight – und von Ladiesnight verstehen die Mittelamerikaner etwas. Stundenlang gibt es starke Mixgetraenke fuer die Damenwelt kostenlos. Alle Frauen der Stadt sind hier und das ist gut fuer die Bar und zahlende Maenner, die natuerlich gerne von schoenen Frauen umgeben sind. Doch Ausnahmen bestaetigen die Regel, es gibt furchtbar verbrauchte Frauen Ende 40, die hier ihren armselige Bestaetigung von einheimischen Muskelprotzen erkaufen. Sehr amuesant zu beobachten, ihre Haut sie nach jahrzehnten-langem Zigarettenkonsum aus, die Strechklamotten in Tigeroptik und Maenner die ihre Geschlechtsteile an diesen Tigerstoffen reiben.
Uhhhhh…..

Nach einigen Rum & Cola steigt zuerst unser Spassfaktor und dann unsere Muedigkeit. Wir gehen in unser Hostel „Heike“- einen deutschen Namen, den niemand aussprechen kann, alle sagen „Eikie“.
Ich beobachte das naechtliche Treiben mit Daniele, einem italienischen Arzt, der in Berlin wohnt und ausserdem akzentfrei deutsch spricht.
Wir treffen unsere Zimmenachbarn, die sich eine Pfeife aus einer Karotte gebaut haben, was es nicht alles gibt.

Panama hat Erbarmen mit uns und die Musik endet morgens um 03:00 Uhr, ich lege mich in mein Hochbett im 6-Zimmer.

Ich schliesse die Augen: Ich bin am anderen Ende der Welt, jeden Tag sehe ich neue Dinge, es ist nicht leicht alles zu verarbeiten und ich schlafe endlich ein.

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