Alleine -Reisen ist eine wirklich grossartige Erfahrung!
Alle Gefuehle, die ich durchlebe, sind sehr viel intensiver – auch die schlechten.

Ich habe einen wirklichen schlechten Tag, es geht mir koerperlich und seelisch nicht gut. Ich fuehle mich nicht wohl an diesem Ort, ich fuehle mich nicht wohl in diesem Hostel, ich fuehle mich nicht in wohl in der Gruppe.

Ich verlasse die Gruppe und gehe alleine in ein neues Hostel.
Ich will mir zwei Tage geben, um wirklich allein zu sein.


Das Hostel ist genau richtig, etwas abgelegen, nur der Ozean vor mir und ein kostenloses Wifi.

 Ich muss einige Blogeintraege aufholen, denn ich will wirklich versuchen, regelmaessig zu schreiben, fuer euch, aber auch fuer mich.

Das Wifi ist so unglaublich langsam, ich brauche 12 Stunden fuer 150 Fotos, ich fuehle mich in die 90er zurueckversetzt und starre auf den gruenen Balken, der sich nicht voran bewegt.

Ich blocke jegliche Kontaktaufnahmen von anderen Reisenden ab, ich will nicht reden und auch nicht ausgehen. Ich habe mein Lachen verloren und wuerde gerne einen Tag zu Hause sein. Ich habe Angst in der Nacht dunkle Gasse alleine zurueckzulegen, ich fuehle mich hilflos und alt.

Der einzige der aelter ist als ich, ist  Branko – ein Serbe, sicher ueber 70 Jahre.
Er scheint Menschen auch nicht sonderlich zu moegen, wir reden nicht miteinander, moegen uns aber irgendwie.

Der naechste Tag verlaeuft genauso, mir gehts einfach beschissen und ich frage mich, was ich ueberhaupt hier mache.

Branko erzaehlt mir zum 3.Mal die selbe Geschichte, ich vermute er hat Alzheimer. Macht aber nichts, ich bin ja hier, hab nichts zu tun und hoere zu. 
Er erzaehlt mir von seinem Leben ohne Reisepass,  Morden und Vergewaltigungen in Costa Rica.
Das sind genau die Geschichten, die ich gerade nicht brauche.

Branko fuehlt sich auch alt, ich dagegen fuehle mich wieder unglaublich jung neben ihm. Doch er sagt mir, ich haette jetzt noch 10 Jahre Zeit Kinder zu bekommen und ich sollte bloss nicht darauf warten, von einem Mann gefunden zu werden. Das sei das groesste Problem der Frauen.

Ja, Branko versteht es einem gut zuzureden.

Am naechsten Morgen hoere ich „Spieglein, Spieglein“von Gisbert zu Knyphausen, packe mich am Kragen und beschliesse in kleinen Schritten dem Leben wieder etwas Schoenes abzugewinnen.

Und wenn ihr diese Zeilen lest, habe ich bereits meinen Frieden mit Montezuma geschlossen, meine Energie zurueckgewonnen und erreiche Santa Teresa in einer unglaublichen Euphorie, denn dieser Ort wird perfekt sein.

Ein besonderen Dank an Nana, die mir mit ihrer wundervollen E-Mail aus dem Tief geholfen hat, das sich sehr lang anfuehlte, aber im Grunde nur 2 Tage andauerte.

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