Um 4:45 Uhr geht die Tuer in meinem 6 – Bettzimmer auf – costa- ricanischer Weckservice.
Mein bestelltes Taxi steht bereit, ich muss nur noch Zaehne putzen, meine Rucksack ist gepackt.

Es ist besser abends an alles zu denken, wenn fuenf weitere Personen schlafen, ist es unguenstig, dass Licht anzumachen.
Sehr ungewohnt fuer mich, ich packe gerne alles in der letzten Sekunde zusammen.

Ich habe keine Ahnung, was mich an meinem neuen Platz erwartet.
Bis jetzt ist nur klar, ich muss in der Hauptstadt San Jose zum Coca-Cola Bahnhof, der fuer seine Kleinkriminalitaet beruehmt ist.
Die 30minuetige Taxifahrt kostet mich 20 Dollar – aber um 05:00 Uhr morgens wollte ich keinen Bus nehmen.

Ich verlasse sicher den Coca-Cola Bahnhof, lasse meine Taschen aber nicht aus dem Auge.
Das einzige Komische, es gibt sehr viele Busse zu unterschiedlichen Zielen – ueberall stehen Backpacker.

Und der „Dominical Warteschlange“ stehen nur Einheimische und ich, festumklammert an meiner Tasche und ein leuchtend, weisses Haeufchen.
Ich ueberlege kurz, ob ich nicht doch in „Montezuma – Bus“ umspringen sollte, denn da wollte ich eigentlich hin.
Mache ich aber nicht, zahle 6 Dollar und freue mich, dass ich in 2 Stunden am Strand liege.

Ich habe wirklich ein gutes Haendchen, immer den richtigen Platz zu erwischen und sichere mir wieder den Notaustieg.
Maximale Beinfreiheit und neu mit an Bord, ein Lonely-Planet Reisefuehrer – den habe ich gestern, von den Schweizerinnen, geschenkt bekommen.


San Jose liegt also hier und ich muss nach Dominical.


Ich habe keine Uhr dabei, aber nach einem Zwischenstopp in einer Raststaette und einem „Cafe con Leche“ (Kaffee mit Milch) muesste ich eigentlich gleich ankommen.
Auf einem Strassenschild steht „San Mateo“ – kurzer Gegencheck auf der Karte, ich fahre komplett in die andere Richtung und viel Strecke ist noch nicht geschafft.
Ich befinde mich eher in der Naehe von „Montezuma“.

Kurze Ueberlegung, ob ich aussteige und die Faehre nehme, ich bleibe sitzen.
Der Bus haelt wirklich in jedem Dorf, ich blaettere ein bisschen im Reisefuehrer, und ahne Boeses.

Ich habe mit 2 Stunden Fahrtzeit gerechnet, meine Kleidung ist zu warm und ich habe weder etwas gegessen, noch etwas mitgenommen.
Ausserdem habe ich alles verkehrt rum an, weil ich mich morgens im Dunkeln angezogen habe.
Es ist eine unertraegliche Hitze im Bus, die Stunden vergehen sehr langsam, die Fahrt direkt am Pazifik kann ich nicht wirklich geniessen.

Ich habe nicht mit einem Tagestrip gerechnet, das scheint eine wirklich lange Fahrt zu werden.
Mein Wasser kann ich kaum mehr trinken, der Raststaetten – Kaffee drueckt auf meiner Blase.
Es sind bestimmt schon 5 Stunden vergangen. Ich lese im Reisefuehrer, dass nur Backpacker hierher fahren, die die Strassenverhaeltnisse in Kauf nehmen.
Asphalt gibt es nicht mehr, stattdessen Schlagloecher und ich musste noch nie so dringend auf die Toilette.

Ich kann auf keinen Fall bis zur Endstation warten, soviel steht fest und nutze den naechsten Stop fuer eine Konversation mit dem Busfahrer.

„Ob er bitte auf mich warten kann, denn ich muss dringend auf die Toilette“ frage ich in english.
Er versteht mich nicht, auch nicht meine Zeichensprache, ich muss gleich weinen oder mache mir in die Hose.
Ich muss spanisch lernen, fuehle mich, wie ein kleines Kind, dass nicht sagen kann, dass es auf die Toilette muss.

Ich erblicke eine Rucksackreisende, frage sie ob sie spanisch kann, kann sie und uebersetzt. Ich renne, werde vor der Toilletenfrau gestoppt, sie will vorher umgerechnet 0,20 Cent.
Alles was ich habe sind 20 Dollar!
Sie verdreht die Augen – zu Recht – und schickt jemanden los, der Rueckgabegeld besorgen soll.
Ich sehe die Toilette, darf aber immer noch nicht rauf, ich kann wirklich nicht mehr durchhalten.
Eine gefuehlte Ewigkeit bekomme ich mein Rueckgeld und muss jetzt mit einer Hand voller Kleingeld die Toilette benutzen.
Ich meistere den Balanceakt und fuehle mich wie neu geboren!

Zurueck im Bus entspanne ich mich wieder, geniesse die Fahrt am offenen Fenster, habe aber einen unertraeglichen Hunger.

Ich habe das Gefuehl, diese Fahrt wird niemals enden, nach 2 weiteren Stunden steigt auch meine Uebersetzerin aus.
Nur noch 3 Leute im Bus, wir fahren weiter und ich sehe das Schild „Dominical“, ich habe den Ausstieg verpasst.
Ich laufe zu meinem Freund dem Busfahrer, der mich nicht versteht, ich muss hier raus.

Er laesst mich raus, da bin ich, auf einem Sandweg in der Mittagssonne. Mein Rucksack wiegt 21kg, ich muss zum Strand und frage mich, wann der Koerper anfaengt zu dehydrieren.
Die finale Strecke sieht so aus, Verpflegung und ein spanischen Woerterbuch sind fuer die Zukunft Pflicht.

Ich ahne noch nicht, dass ich nur wenige  Schritte davon entfernt bin, ein Haus mit Dachterasse und dem Pazifik vor der Tuer zu bekommen.

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