Ich wache nach 3 Stunden Schlaf auf, denn der Schnacher der letzten Nacht laueft panisch durchs Zimmer und schreit „Fuck“, „Fuck“, „Fuck“.
Meinen 1. Morgen habe ich mir anders vorgestellt.

Jakob ist gross und breit, er koennte als Tuersteher durchgehen, allerdings als kein besonders schlauer.
Alle seine wichtigen Sachen wurden gestohlen, Kreditkarten, Geld und der Reisepass – aus dem Schliessfach (!)
Das ist also das sichere Costa Rica, ich bin froh, dass der Kelch an mir vorbeigezogen ist, meine wichtige Sachen liegen verstreut im Rucksack.

So sieht der Schliessfachraum aus – eigentlich ziemlicher sicher, Jakob vermutet jemand habe den Schluessel aus seiner Tasche geklaut und dann sein Fach geoeffnet.

Ich vermute das Hostelpersonal hat einen Zweitschluessel.

Ist jetzt auch egal, die Sachen sind weg, Jakob laeuft kopflos und schimpfend durch das Guesthouse. Wenn ich in dieser Situation waere, wuerde ich mich auch sehr ueber eine Hilfe von andern Reisenden freuen.
Ich beschliesse ihm zu helfen.

Nach stundenlangen Telefonaten mit seiner Mutter und der Bank, kann eine Barauslage auf meinen Pass durchgefuehrt werden.
Er hat ja keinen mehr.

Klingt doch ganz unkompliziert, wir laufen zur naechsten Bank – die hat leider keine 250 Dollar bar – ich kann mir nicht erklaeren warum, es ist die Western Union.

Weitere Telefonate und Taxifahrten spaeter stehe ich sehr lange in einer Schlange und bekommen sein Geld. Es ist sehr heiss, ich habe kaum geschlafen, die Mittagssonne brennt auf meiner Haut und Jakob ist ein Vollidiot.

Egal, ich habe ihm geholfen, damit ist die Geschichte fuer mich beendet.

Jetzt geniesse ich erst einmal mein erstes Guesthouse, mein Backpacker Feeling ist sofort da.

Es sieht ein bisschen aus wie im Gefaengnis, ist aber zum Uebernachten und fuer die zu planende Weiterreise ideal.

Es ist wirklich alles auf Rucksackreisende ausgerichtet.
Das ist das Zimmer – ich schlafe unten und zahle 12 Dollar pro Nacht.

Das Badezimmer, klein, aber sauber und mit einer heissen Dusche fuer 4 min.

Sehr wichtig fuer Alleinreisende, ein zentraler Aufenthaltsraum mit Internet und DVD – obwohl ich das Fernsehen nicht vermisse.


Noch wichtiger, ein Kuechenbereich und ich koche mir nach langer Zeit meine geliebten Thunfischnudeln.


Der Abend endet mit einer Flasche Rum, zwei Schweizerinnen, einem Amerikaner und dem sehr betrunkener Jakob, der sich daneben benimmt, aber immer wieder betont, wie dankbar er mir ist.

Ich entscheide mich gegen ein letztes Gruppenfoto, denn ich will meine Kamera vor neugierigen Blicken schuetzen. Dennoch benutze ich die Schliessfaecher, allerdings mit meinem eigenen Zahlenschloss.

Ich entscheide mich gegen Mitternacht den Ratschlaegen der anderen Traveller zu folgen und bestimme mein 1. Ziel.

Die Rezeption ist 24 Stunden besetzt, das Personal hat seit heute Morgen zum 5.Mal gewechselt – soviel zum Thema Sicherheit.

Dominical soll mein erster Ort werden.

Der rundliche, sehr hilfsbereite, immer froehliche Mann am Empfang soll mir jetzt sagen, wie ich am besten dort hinkomme und wann ich aufstehen muss.

Ich dachte ich haette die ersten Grundwortschaetze gelernt, aber aus mir kommt kein einziges Wort Spanisch herraus, aus seinem Mund ist leider auch kein Wort englisch zu vernehmen.

Wir koennen nicht miteinander reden, ein bedrueckendes Gefuehl, ich muss dringend spanisch lernen.

Dennoch fuehren wir einen sehr amuesanten Dialog, setzen Haende und Fuesse ein und ich weiss am Ende, dass mein Bus nur 2 Stunden braucht, ich aber um 5:45 Uhr aufstehen muss.

Wieder keinen Schlaf, Jakobs Alkoholkonsum verstaerkt sein Schnarchen und den miesen Geruch in einem 6 Bettzimmer.

Ich schlafe sofort ein und weiss noch nicht, dass ich morgen zuerst durch die Hoelle gehe, um dann im Paradies zu landen.

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