Jetzt hat es also Klick gemacht und ich habe mein erstes Flugticket gekauft.
Meine Eintrittskarte für eine 1jährige Welteise – ein sehr schwierige Entscheidung.

Monatelang erkundige ich mich in allen erdenklichen Weltreise – Foren, hole die verschiedensten Meinungen ein, die meines Vaters ist mir dabei besonders wichtig, und bin am Ende –  verwirrter als am Anfang.

Nach reiflicher Überlegung liegt es dann auf der Hand.
Ich muss mich für genau das entscheiden, was am wenigstens Sinn macht.

Ich starte an einem der teuersten Plätze der Welt, obwohl mein Budget für ein Jahr reichen muss.
Ich starte in einer Millionenmetropole, die aber bitterkalt im Januar ist und ich habe mich immer nach einer warmen Insel inklusive Hängematte gesehnt.
Ich starte mit einem One Way Ticket nach New York am 14. Januar 2011 –
und mein Vater sagt: „Du zäumst das Pferd von hinten auf“

Er hat Recht, aber mein Bauchgefühl ist besser als je zuvor und ich stelle fest, es gibt keine falsche Entscheidung, denn dieses Jahr soll nur mir gehören.

Dennoch bin ich realistisch und weiß, es ist nicht der einfachste Start.
Mein Tagesbudget von 45 Dollar würde gerade mal für ein Bett im 8-Personen-Zimmer genügen. Zeit, kreativ zu werden und die Ausgangslage als Chance für spannende Geschichten zu sehen.

Ich werde couchsurfen in New York

Ja genau: http://www.couchsurfing.org/
Ein weltweites Netzwerk, das Reisende mit den Menschen der Länder verbindet, die sie besuchen. Es geht um den kulturellen Austausch, nicht nur um die Couch – aber die gibt`s kostenlos – „creating a better world“

Was sind das für Menschen, die ihr Sofa in einer Stadt hergeben, indem sie selbst kaum die Miete zahlen können – Ich werde es herausfinden!

In wenigen Stunden erstelle ich mir ein aussagekräftiges Profil und schreibe 40 zutreffende New Yorker und New Yorkerinnen an.
Immer noch sehr optimistisch und bester Dinge, gönne ich mir einen Milchkaffee und sehe mich in Gedanken bereits mit hippen New Yorkern in Ateliers rumhängen.

Die ersten Antworten könnte man positiv als Ernüchterungen bezeichnen.
Überwiegend nur warnende Antworten auf meine freundlichen und persönlichen
E-Mailanfragen.
„Couchsurfen ist nicht einfach in New York, jeder will eine Couch“, „Ich bekomme 20-30 Anfragen pro Tag“, „Couchsurfing ist real, irgendwann klopft jemand an deine Tür“.

Danke für die Erklärungen, aber das ist die Grundvorraussetzung um auf Eurer Couch zu schlafen. Ich muss an Eure Tür klopfen!

Doch so schnell gebe ich nicht auf. Hinter fast jedem New Yorker Profil versteckt sich ein Künstler, Schriftsteller, Pianist, Schauspieler oder Web- Designer.
Das kann ich auch – also pimpe ich mein Profil hier und da noch ein bisschen auf:
Erwähne meinen Yogakurs, meine Indienreise, meine vegetarisch-biologisch wertvolle Ernährung, meinen jetzigen Beruf als unglaublich wichtige TV – Redakteurin und natürlich von der wahnsinnig mutigen Entscheidung genau diesen Job zu kündigen.

Ich weiß, dass ich durchaus ein Typ Mensch bin, mit dem man sehr viel Spaß haben kann.

Ich kann auch anders, aber in den zwei Nächten werde ich mich schon zusammenreißen können und am nächsten Tag stelle ich mich einfach wieder auf eine neue Lebenswelt,
einen neuen Menschen, ein neue Couch ein.

Meine persönliche Bildergalerie folgt einer streng geplanten Beeinflussung des Unterbewußtseins. 

Familienfotos sollen zeigen, das ich ein Familienmensch bin und viele Geschwister habe, logischerweise auch gut teilen kann.
Natürlich liebe ich meine Familie, sehe sie aber nur drei Mal im Jahr und teilen mußte ich auch nie, da ich die Älteste bin und somit das Kommando hatte.
Ich denke übrigens noch immer, ich habe das Kommando, das ist aber nicht so.

Ein Foto mit einer Katze soll auch die Couchsurfer anziehen, die Haustiere haben, obwohl ich weder Katzen, noch Hunde sonderlich mag.
Außer sie mögen mich, aber das tun sie fast nie.
Und ein Mensch, um den Tiere entweder einen großen Bogen machen oder ihn immer dann angreifen, wenn kein anderer hin sieht, hat doch immer etwas Komisches.

Zu guter Letzt noch ein paar Partyschnappschüsse, denn es soll bloß niemand auf die Idee kommen, ich wäre langweilig.

Nach 8 Stunden bin ich sichtlich zufrieden mit meiner Couchsurfing-Persönlichkeit.
Schöne neue Welt!

2 Tage später – E-Mail aus New York

Ich habe fünf (!) Einladungen für eine Couch!
Das bedeutet fünf mal in völlig unterschiedliche Leben eintauchen.
In die Privatwohnung, in den Alltag, in die Couch.
Doch zuerst einmal heißt es – viele E-Mails aus New York!

Mehr dazu beim nächsten Mal – mit den Top 5.

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